Sorge um Fans und Spieler: FIFA-Präsident Sepp Blatter will Klarheit über russisches Anti-Schwulen-Gesetz

Die international scharf kritisierte Anti-Schwulen-Gesetzgebung in Russland hat jetzt auch den Weltfußballverband auf den Plan gerufen. Bereits 2018 soll das Land als Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft fungieren. Die Sorge ist groß, wie die Regelungen während dieser Zeit umgesetzt werden. FIFA-Präsident Sepp Blatter erwartet von der russischen Regierung nun zügige Antworten.

FIFA-Präsident Sepp Blatter sorgt sich offenbar um die aktuelle Stimmung gegen Homosexuelle in Russland. In Anbetracht der WM 2018 hat er sich per Brief und über persönliche Kontakt an den russischen Präsidenten Wladimir Putin gewandt. Er verlangt umfassende Auflärung über die seit kurzem bestehende Anti-Schwulen-Gesetzgebung, die bereits im Vorfeld der Olympischen Spiele in Sotschi im Jahr 2014 einen internationalen Aufruhr provoziert hatten. Jüngste Aussagen der Russen zum Thema wirken derweil wenig vertrauenswürdig. Mal heißt es, Sportler und Fans haben nichts zu befürchten. Dann werden neue Drohungen laut.

„Von Seiten Putins Büro wurde mir zugesagt, dass ich alle Dokumente in der ersten Septemberwoche erhalte“, zitiert CBC Sports FIFA-Präsident Sepp Blatter, der in dieser Sache auch die Schweizer Botschaft um Unterstützung gebeten hat.  Die FIFA hat sich in dieser Angelegenheit dem Internationalen Olympischen Komitee angeschlossen und sich nun ebenfalls an die russische Regierung gewandt. Beide Institutionen verlangen Aufschluss über die Frage, wie das Gesetz während ihrer jeweiligen Veranstaltung umgesetzt wird. Besonders groß ist die Sorge, ob Athleten und Fans einer Diskriminierung und letztlich auch Strafverfolgung durch die russischen Behörden ausgesetzt werden. „Gegenwärtig haben wir nur Proteste und Forderungen seitens unserer Fußball-, Sport- oder Olympia-Leute erhalten. Von Seiten der Russen habe ich bisher nichts Offizielles“, so Blatter, ebenfalls Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees.

Russen sehen keine Diskriminierung

Gemäß den Statuten der FIFA führt Diskriminierung zur Sperre oder gar zum Ausschluss von Einzelpersonen im Fußball oder Mitgliedsverbänden. Die Russen, so Blatter, würden das jedoch ganz anders sehen. In ihren Augen habe das nichts mit Diskriminierung zu tun. Ganz im Gegenteil würden sie das Ganze als Schutz von Minderheiten verkaufen. Eine Argumentation, die auch Blatter nicht gelten lassen kann. Er fordert nun den Beweis, dass es hier tatsächlich um Schutz und nicht um Diskriminierung geht. Blatter, so CBC weiter, habe vor, das Thema am 3. und 4. Oktober bei der Sitzung des 27-köpfigen FIFA-Exekutivkomitees anzubringen. Zugegen sein wird dann auch Russlands Sportminister Vitaly Mutko. Blatter wolle sich demnach noch vor dem WM2018-Meeting mit ihm in Zürich treffen. Darüber hinaus bot er in Anbetracht der Wahl des neuen IOC-Präsidenten am 10. September auch eine Vermittlung zwischen IOC und den russischen Behörden an.

Erst am vergangenen Donnerstag gab das IOC bekannt, dass man nun eine Antwort der russischen Behörden erhalten hätte. Nach Angaben von IOC-Präsident Jacques Rogge werde das russische Verbot der „Schwulen-Propaganda unter Minderjährigen“ nicht in Bezug auf die Teilnehmer und Gäste der Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 angewandt. Allerdings: In dem Schreiben wird nicht direkt angesprochen, was mit Olympia-Athleten oder Fans geschehen wird, wenn es tatsächlich zu in Russland verbotenen Aussagen oder Gesten kommt. Bereits Anfang August versicherte Igor Ananskich, Chef des Staatsduma-Ausschusses für Körperkultur, Sport und Angelegenheiten der Jugend, dass das Thema während der Spiele nicht angeschnitten werde. Das Gleiche, zitierte ihn RIA Novosti, werde für alle größeren internationalen Wettkämpfe in Zukunft gelten.

Anti-Schwulen-Gesetz: Russisches Hin und Her

Am 27. Juli dieses Jahres hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) eigentlich schon einmal von Russland Garantien dafür bekommen, dass das umstrittene Gesetz nicht für die Teilnehmer und Zuschauer der Spiele in Sotschi gelten wird. Nur Tage später lies der russische Sportminister Vitali Mutko allerdings Gegenteiliges verlauten: „Niemand verbietet einem Sportler mit nichttraditioneller sexueller Einstellung, nach Sotschi zu kommen. Sollte er aber auf die Straße gehen und diese propagieren, so wird er natürlich zur Verantwortung gezogen.“

Das erst im vergangenen Juni vom Parlament verabschiedete Gesetz fällt vor allem durch seine äußerst vage gehaltenen Formulierungen auf. Selbst das Zeigen einer Regenbogenflagge oder Hand in Hand durch die Straßen zu laufen, wird geahndet. Das Auswärtige Amt warnt bereits seit Wochen vor möglichen Folgen bei Reisen nach Russland. Durch das Gesetz, so heißt es dort, drohen auch Ausländern bei Weitergabe von Informationen, öffentlicher Demonstration und Unterstützung von Homosexualität Geldstrafen in Höhe von bis zu 100.000 Rubel (rund 2.300 Euro), bis zu 15 Tage Haft und die Ausweisung aus der Russischen Föderation (mehr hier).

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