Drohender Syrien-Krieg: Türkische Lira fällt auf Rekordtief

Die Ankündigung des türkischen Außenministers Davutoğlu, in Syrien intervenieren zu wollen, setzt die türkische Lira weiter unter Druck. Zinsen für zweijährige Staatsanleihen erreichen ein Rekordhoch. Der Rückzug des Dollars aus den türkischen Märkten macht es der Zentralbank nicht leichter.

Die türkische Lira erreichte am vergangenen Montag ein Rekordtief von über zwei Lira pro Dollar. Die Zinsen für zweijährige Staatsanleihen erreichten die Zehn-Prozent-Marke. Die fallenden Kurse stehen in direktem Zusammenhang mit einem immer wahrscheinlicheren Kriegsszenario in Syrien, an dem sich die Türkei beteiligen würde.

Der internationale Finanzmarkt reagiert empfindlich auf bevorstehende Kriege. Nachdem der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu am vergangenen Montag signalisierte, notfalls auch ohne UN-Mandat in Syrien zu intervenieren (mehr hier), reagierten die Märkte prompt mit Kursverfall. Türkische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zwei Jahren erreichten mit 10,12 Prozent den seit 19 Monaten höchsten Zinssatz.

„Sie können mich jetzt für einen Optimisten halten, aber ich wäre nicht überrascht, wenn der Dollar am Ende des Jahres auf 1,92 Lira fällt. Wenn wir als Zentralbank standhaft bleiben und uns nicht vom Weg abbringen lassen, sind die Turbulenzen in ein paar Tagen vorbei“, sagt Erdem Başçı, Präsident der türkischen Zentralbank, gegenüber der Anadolu Nachrichtenagentur. Erst im Juli wurde der Leitzins erhöht, um der steigenden Inflation zu begegnen.

Der private Sektor habe zwar einen großen Anteil von Schulden in Auslandswährungen, der Bänker rät den Unternehmen aber abzuwarten und die offenen Kredite später zu begleichen. Mit einer Mischung aus Trotz und Beruhigung sprach der Präsident von“niemals erschöpften“ 40 Milliarden Dollar-Reserven, mit denen man die Lira stützen könne.

Der niedrige Kurs der Lira setzt die türkische Volkswirtschaft unter starken Druck, besonders im Hinblick auf das Leistungsbilanzdefizit von 7,1 Prozent der Wirtschaftsleistung. Denn um die im Vergleich zu den Exporten weitaus höheren Importe zu bezahlen, wird Geld in ausländischen Währungen benötigt. Das wird umso schwerer, wenn die Lira schwach ist.

Aus diesem Grund versucht die Zentralbank mit Repos (Rückkaufgeschäfte) kurzfristig an Liquidität zu kommen. Dadurch konnten in einer Woche 755 Millionen Dollar beschafft werden, die der Staat zu 4,5 Prozent verzinst zurückzahlen muss. Nicht nur die Lira, sondern die Währungen alle Schwellenländer leiden unter der Leitzinserhöhung der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve. Indien, Thailand, Malaysia,Indonesien und Brasilien haben ebenfalls mit Rekordtiefs ihrer Währung zu kämpfen.

Mehr zum Thema:

Trotz Lira-Verfall: Finanzminister schließt türkische Krise aus
Zinserhöhung in der Türkei: Zentralbank kämpft gegen Kursverfall
Reaktion auf Kapitalflucht: Niedrige Steuern sollen türkisches Kapital zurückbringen

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.