M100 Media Award: Türkischer „Standing Man“ erhält Auszeichnung aus Deutschland

Seine Aktion galt nicht nur in der Türkei als die ultimative Form des friedlichen Protests. Ein Zeichen des Aufbegehrens, das auch von der türkischen Regierung nicht angreifbar war. Der türkische Performance-Künstler Erdem Gündüz zog viele Nachahmer an. Jetzt erhält er dafür den M100 Media Award aus Deutschland.


Am 17. Juni dieses Jahres stand ein einzelner Mann plötzlich ganz still auf dem Istanbuler Taksim Platz. Ohne eine Regung verharrte Erdem Gündüz über mehrere Stunden auf einem Areal, der bereits über Wochen Schauplatz heftigster Auseinandersetzungen war.  Sein Blick ging stur gerade aus in Richtung der Flagge mit Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk, die am Atatürk Kulturzentrum (AKM) angebracht ist.

Lange allein blieb der türkische Performance-Künstler allerdings nicht. Noch am gleichen Abend gesellten sich rund 300 Demonstranten dazu und taten es ihm gleich. Die so ausgelöste Welle erfasste über die folgenden Tage das gesamte Land und auch im Ausland gab es Nachahmer (mehr hier).

Mutiges Bekenntnis zur Freiheit

Nun wird die Ikone der türkischen Anti-Regierungs-Proteste in Deutschland ausgezeichnet (mehr hier). Das gab die Jury des M100 Media Award am Montag bekannt. Der 34-jährige Tänzer und Choreograph wird für sein „mutiges Bekenntnis zur Freiheit der Meinungsäußerung und der Menschenrechte“ geehrt.

„Mit seinem stillen Protest wurde er zur Ikone des friedlichen Widerstandes und fand weltweit Nachahmer“, heißt es hierzu von Seiten des M100-Beirats. „Seine Waffe heißt Kreativität. Seine Markenzeichen sind Mut und Ausdauer. Und all das braucht man auch, wenn man für freie Meinungsäußerung und die Menschenrechte eintritt“, so Jann Jakobs (SPD), Bürgermeister von Potsdam und M100-Vorsitzender. Durch die Auszeichnung von Erdem Gündüz mit dem M100 Media Award werde auch in diesem Jahr wieder ein klares Zeichen gesetzt, dass gewaltfreier friedlicher Widerstand funktioniere.

Preisträger hinterlassen Spuren

Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an Europäische Zentralbank-Chef Mario Draghi. Bisherige Preisträger waren der dänische Karikaturist Kurt Westergaard, der die umstrittenen Bilder des Propheten Mohammed anfertigte, und der ehemalige französische Außenminister und Gründer von Ärzte ohne Grenzen, Bernard Kouchner. Übergeben wird der Preis des internationalen Potsdamer Medienforums M100 am 5. September im Raffaelsaal in Potsdam-Sanssouci. Er ist nicht dotiert. In diesem Jahr steht die Veranstaltung unter dem Titel „Zerstören die Medien Europa?“ („Are the media destroying Europe?“). Hauptredner ist der österreichische Essayist Robert Menasse.

Der M100 Media Award wird jedes Jahr an eine Persönlichkeit vergeben, die durch ihr Schaffen in Europa und der Welt Spuren hinterlassen hat. Die Auszeichnung steht für Verdienste um den Schutz der freien Meinungsäußerung und die Vertiefung der Demokratie sowie für besondere Leistungen um die europäische Verständigung und Kommunikation.

Erdem Gündüz wurde 1979 in Ankara geboren und absolvierte 2007 sein Studium an der Fakultät für Kunst und Design im Bereich Musik und darstellende Kunst an der Technischen Universität Yıldız. Er studierte Schauspielkunst und ist unter anderem Gründer des Tanztheaters der Universität der Ägäis. Zurzeit beendet er sein Master-Studium im Bereich Darstellende Künste an der Mimar Sinan Universität der schönen Künste.

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