Milliardenprojekt in der Türkei abgesagt: Verdirbt Ägypten den Scheichs die Investitionsfreude?

Ein 12 Milliarden Dollar- Projekt zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und der Türkei wird sich wohl nicht realisieren, weil die Emirate dadurch die konträre türkische Haltung zum Militärputsch in Ägypten sanktionieren. Der Energieminister sucht bereits nach Alternativen.

Der Bau eines Kohlekraftwerks im Süden der Türkei wird bis auf Weiteres verschoben, weil sich die Investoren aus Abu Dhabi zurückziehen. Der Energiekonzern des Emirats Abu Dhabi, TAQA, zieht sich nach eigenen Angaben nicht vollständig zurück, sondern verschiebt die für diesen Sommer geplante Investition auf 2014. Der türkische Energieminister Taner Yıldız schließt eine politische Motivation TAQAs nicht aus und sucht derweil nach anderen Investoren.

In dem südtürkischen Landkreis Elbistan befinden sich 40 Prozent der gesamten Kohlebestände der Türkei und bereits zwei Wärmekraftwerke, die Kohle in Strom verwandeln. Die Investition von 12 Milliarden Dollar sollte die Ausbeutung der türkischen Kohlevorkommen sicherstellen, denn die Kohle kann bei voller Leistung 8000 Megawatt Strom erzeugen. Das wären 14 Prozent der gesamten türkischen Kraftwerkskapazität.

Das Projekt droht nun zu scheitern, weil die Investoren ihre Beteiligung auf das kommende Jahr verschoben haben. Insider sprechen aber von einer Absage und machen die unterschiedlichen Haltungen der Türkei und der Vereinigten Arabischen Emirate in der Syrien- und Ägyptenkrise dafür verantwortlich. Die staatlich kontrollierte TAQA nimmt dazu keine Stellung, der türkische Energieminister hingegen „hofft“, dass es keine politische Motivation ist, schreibt die Zaman.

„Es ist streitbar, dass eine Firma einen Vertrag aufkündigt, den wir mit den Vereinigten Arabischen Emiraten geschlossen haben. Aber ob sie ihre Investition verschieben oder nicht, wir haben uns schon mit Vertretern anderer Staaten getroffen. Ich würde gerne daran glauben, dass es keine politische Entscheidung von oben ist, aber die Geschehnisse in Syrien und Ägypten legen wohl eine andere Präferenz nahe“, sagt Yıldız.

Dafür, dass die Absage politisch motiviert ist, sprechen die unterschiedlichen Haltungen zum Putsch in Ägypten. Während die türkische Regierung den Militärputsch verurteilt, unterstützen die Emirate und Saudi-Arabien das Militär. Im Falle Syriens fallen die Interessen der beiden Staaten jedoch zusammen, da sie innerhalb der Gruppe „Freunde Syriens“ mit den USA und Großbritannien kooperieren. Einzig die geografische Nähe Syriens und ein Überschwappen des Krieges in den Süden der Türkei könnte TAQA abgeschreckt haben.

Schon vor der Zuspitzung der internationalen Lage in Ägypten und Syrien hatte das Projekt mit Problemen zu kämpfen. Im Januar diesen Jahres einigten sich die Regierungsvertreter beider Staaten, dass der Anteil TAQAs an den Kraftwerken 65 Prozent beträgt und die restlichen 35 Prozent der staatlichen türkischen Energiegesellschaft EÜAS gehören. Als TAQA aber nach potenten türkischen Investitionspartnern suchte, fand sich niemand, der sich mit 1,7 Milliarden Dollar an 14 Prozent des Vorhabens beteiligen wollte.

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