Nach Kopftuch-Attacke: Französische Muslima versucht sich umzubringen

Ein 16-jähriges Mädchen wurde vor gut zwei Wochen in einem Pariser Vorort attackiert, weil sie ein Kopftuch trug. Jetzt hat die junge Frau bereits einem zweiten Selbstmordversuch unternommen. Sie schwebt in Lebensgefahr.

Eine 16-jährige französische Muslima wurde am 12. August dieses Jahres Opfer eines rassistischen Übergriffs. Das Mädchen wurde in einem Pariser Vorort wegen ihres Kopftuchs von einer Gruppe Skinheads mit einem Taschenmesser bedroht. Dann rissen sie ihr das Tuch herunter. Am vergangenen Montag unternahm die junge Frau nun einen erneuten Selbstmordversuch.

Der Teenager sprang aus dem vierten Stock eines Wohnhauses. Sie überlebte und befindet sich nun in einem Pariser Krankenhaus. Ihr Zustand, so die türkische Zeitung Zaman, soll allerdings kritisch sein. Zugetragen habe sich der Selbstmordversuch demnach in der elterlichen Wohnung in Trappes gegen halb acht Uhr am Morgen.

Schon einmal, so heißt es weiter, habe das Mädchen versucht sich das Leben zu nehmen. In der vergangenen Woche soll sie eine Überdosis Tabletten eingenommen haben. Das tatsächliche Motiv für ihre Verzweiflungstaten ist allerdings nach wie vor unklar.

Schon im Juli Auseinandersetzungen in Trappes

Im vergangenen Juli war Trappes drei Nächte lang Schauplatz gewalttätiger Auseinandersetzungen. Dem vorausgegangen war die Personenkontrolle einer vollverschleierten Frau und die vorübergehende Festnahme ihres Mannes. Von den Anwohnern wurde das Vorgehen der Polizei als gezielte Provokation gewertet (mehr hier). in den darauffolgenden Nächten griffen die Unruhen über, die Polizei verstärkte ihre Sicherheitsmaßnahmen. Seit April 2011 gilt in Frankreich ein Burkaverbot (mehr hier). Auch nach dem Selbstmordversuch des Teenagers an diesem Montag hat die Polizei zusätzliche Maßnahmen vor der Polizeibehörde in Trappes ergriffen.

Anti-muslimische Angriffe und Beleidigungen nehmen in Frankreich seit einigen Jahren stetig zu. 2012 gab es 469 Straftaten in diesem Zusammenhang. Im Jahr zuvor waren es mit 298 deutlich weniger. Schuld daran sei nach Ansicht des Kollektivs gegen Islamfeindlichkeit in Frankreich (CCIF) vor allem das Verhalten einiger Politiker. Sie stellen den Islam als Problem für die französische Gesellschaft dar und gewinnen dadurch sogar Stimmen.

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