Grausame Eigen-Therapie: Stehlender Ägypter lässt sich Hände von Zug abfahren

Ein 28-jähriger Ägypter war über seine eigenen Verbrechen derart entsetzt, dass er zum wohl drastischsten Mittel überhaupt griff. Um sich selbst zu bestrafen, ließ er sich von einem Zug beide Hände abtrennen. Nach seiner Selbstbestrafung hofft er nun auf ein neues Leben.

Wie verzweifelt ein Mann über sein eigenes Suchtverhalten sein muss, dass er sich freiwillig selbst verstümmelt, scheint kaum vorstellbar. Der 28-jährige Ägypter Ali A. hat es dennoch getan. Von einem Schnellzug ließ sich der aus Tanta stammende Mann beide Hände abtrennen.

Seine drastische Entscheidung, so berichtet die britische Daily Mail, beruhte offenbar auf dem islamischen Rechtssystem, der Scharia. Ali selbst erklärt, dass seine Krankheit bereits als junger Mann begonnen habe. Zunächst stahl er seinem Freund nur das Mittagessen in der Grundschule. Doch dabei blieb es nicht. Später waren dann Geschäfte sein Ziel. Zuletzt stahl er auch Handys und Goldschmuck.

Selbstbestrafung nach dem Vorbild der Scharia

Damit fertig wurde er aber offenbar nicht.  Er beschloss, seinem zwanghaften Verhalten selbst ein Ende zu setzen, indem er beide Hände opferte. Ein Scharia-Gericht oder einen islamischen Rechtsgelehrten befragte er nicht. Er hätte selbst gewusst, was nach dem göttlichen Gesetz zu tun sei. Allerdings: Ersteres hätte wahrscheinlich nicht derart drastisch geurteilt. Denkbar wäre das Zufügen von Verletzungen durch das langsame Darüberrollen eines Autos bis hin zur Amputation einzelner Finger. In Staaten wie dem Iran, Saudi-Arabien und im nördlichen Nigeria hätte ihm aufgrund der wiederholten Vergehen allerdings ebenfalls eine Amputation der gesamten Hand gedroht.

In Ägypten selbst wird eine solche Vorgehensweise jedoch bereits seit vielen Jahren nicht mehr gestattet. Im vergangenen Jahr gab es unter der Regierung der Muslimbruderschaft allerdings wieder Ansätze in diese Richtung (mehr hier). Adel Azzazy, aus der Salafi-orientierten Nour-Partei, schlug einen entsprechenden Gesetzentwurf vor, Amputationen für bestimmte Verbrechen einzuführen. Er forderte die Anwendung von ‚Heraba‘, das sind extreme Strafen für Verbrechen wie offener Raub, Mord, gewaltsame Übernahme der Immobilie mit einer Waffe und Vandalismus in öffentlichen Einrichtungen.

Doch zurück zum jungen Ägypter Ali. Der will sich nun mehr für seine Stadt engagieren. Unter anderem habe er vor, bei der Gründung eines Jugendzentrums mitzuhelfen. Auch heiraten gehört zu seinen Träumen. Ob sich in Anbetracht seiner Vorgeschichte jedoch eine ägpytische Frau finde, bezweifelt er selbst.

Amputationen im Iran und in Mali

Das islamische Rechtssystem befasst sich mit vielen Fragen sowohl des weltlichen Rechts als auch mit täglichen Entscheidungen, die persönliche und weltlichen Angelegenheit betreffen. Regelungen finden sich etwa zur Hygiene, zum Fasten, dem Gebet, zur Politik, Geschlechtsverkehr und vielem mehr. Die Interpretation des Gesetzes durch Muslime variiert zwischen den Kulturen. Für einen weltweiten Aufschrei sorgten etwa neue Amputationen im Iran vor gut drei Jahren. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) etwa kritisierte die Amputationen scharf, da es sich bei „Amputationen um eindeutig grausame, unmenschliche und erniedrigende Strafen handle, die vom Völkerrecht geächtet sind.“ Ende 2012 dann alarmierende Berichte aus Mali. Auch hier wurde ein Anstieg der Amputationen verzeichnet (mehr hier).

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