Türkei: 200 Investoren warten auf Lösung der Kurdenfrage

Unternehmer aus Diyarbakir fordern von der Regierung einen entschlossenen Schritt in Richtung Demokratisierung, damit sie sicher investieren können. Das Investitionsvolumen in der mehrheitlich kurdischen Stadt wird zwischen 100 und 200 Millionen Dollar geschätzt.

In der südosttürkischen Stadt Diyarbakir warten rund 200 Unternehmen auf ein freundlicheres Investitionsklima, welches durch das bevorstehende Demokratisierungspaket der AKP-Regierung hergestellt werden soll. Diese Reform ist für Diyarbakir von großer Bedeutung, weil die mehrheitlich kurdischen Einwohner der Stadt sich ein endgültiges Ende des Krieges gegen die Terrororganisation PKK wünschen.

„Seit sechs Monaten, also seitdem der Lösungsprozess der Kurdenfrage begonnen hat, erleben wir keine Anschläge mehr. Diese Entwicklung muss mit dem Demokratisierungspaket fortgesetzet werden, damit die geplanten Investitionen sich lohnen. Der Frieden und die Investitionen sind Indikatoren dafür, dass Diyarbakir große Fortschritte macht“, sagt Gülşen Duran, Präsidentin des Vereins unternehmerischer Frauen in Diyarbakir, auf Nachfrage der Taraf.

Ein Investitionsvolumen von 100 bis 200 Millionen Dollar soll 20.000 Arbeitsplätze schaffen. Neben türkischen befänden sich deutsche, italienische und schweizer Firmen  in den Startlöchern. Die Stadt Diyarbakir erlebt seit einem Jahrzehnt einen explosionsartigen Bevölkerungszuwachs von etwa 550.000 auf knapp eine Million Einwohner. Die Stadt ist sowohl als Industriestandort für Marmor und das Baugewerbe als auch für die landwirtschaftliche Produktion bekannt. Letztere erlebte durch das umstrittene Atatürk-Staudamm-Projekt eine starke Belebung.

Die Stadt ist aber auch für ihre Anfälligkeit für Terroranschläge bekannt. Erst im Juli dieses Jahres stritten sich zwei Familien, weil drei Kinder der einen Familie sich der terroristischen PKK anschließen wollten. Der Streit spitzte sich dramatisch zu und sieben Menschen kamen ums leben, wie die Hürriyet berichtet. Dieser Einzelfall zeigt, wie tief das Misstrauen mancher Kurden gegenüber der von der AKP vorangetriebenen Lösung der Kurdenfrage ist. Deswegen fordert Gülşen Duran, dass die Regierung auf die Interessen der Kurden eingehen müsse. Dazu gehöre die kurdische Sprache auf den Status einer offiziellen Sprache zu heben.

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