Kampf gegen Rating-Agenturen: Türkei will Einfluss einschränken

Die türkische Regierung versucht den Einfluss der Ratingagenturen zu begrenzen. Dazu wurden Regeln eingeführt, die primär darauf abzielen, dass von den Bewertungen betroffene Unternehmen oder der Staat sich auf Konsequenzen aus dem Rating vorbereiten können.

Die türkische Kapitalmarktaufsicht (SPK) möchte den Einfluss der Rating-Agenturen begrenzen. Die bekanntesten Ratingagenturen Fitch, Moodies und Standard and Poor’s sind private Unternehmen, die mit ihren Bewertungen einen erheblichen Einfluss darauf haben, inwieweit Staaten und Unternehmen am Markt als kreditwürdig eingeschätzt werden.

Ende 2012 stufte Fitch türkische Staatsanleihen mit dem „Investment Grade“-Status als „investitionswürdige“ Anlage ein (mehr hier). Trotzdem ist das Verhältnis zwischen der türkischen Regierung und den Ratingagenturen angespannt.

Die Kapitalmarktaufsicht sieht zwei grundlegende Änderungen vor, wie die Hürriyet berichtet. Zum einen müssen die Ratingagenturen ihren Zeitplan, aus dem ersichtlich wird, wann sie eine Bewertung oder Einschätzung der Wirtschaftslage vornehmen, an die Aufsicht schicken und auf ihren eigenen Webseiten publizieren. Dadurch haben die Zentralbank und andere staatliche Behörden die Chance, auf bevorstehende Auf- oder Abwertungen durch die Ratingagenturen vorbeugend einzuwirken.

Zum anderen müssen Ratingagenturen ihre Bewertungen spätestens innerhalb von sechs Monaten aktualisieren. Damit soll verhindert werden, dass Ratings, die zu lange nicht an die neusten Entwicklungen der Volkswirtschaft angepasst wurden, immer noch Geltung beanspruchen können. Prognosen und Ratings dürfen ab sofort nur noch Freitags, nach Schließung der Börse, verkündet werden. Auch diese Maßnahme gibt von schlechten Ratings betroffenen Unternehmen und dem türkischen Staat ein Wochenende lang Zeit, um zu reagieren.

Während der Gezi-Proteste machte die Regierung die „Zins-Lobby“ für die Aufstachelung der Massen verantwortlich (mehr hier). Zwar wurden nur Andeutungen gemacht, wer dahinter stecken könnte, doch sind Rating-Agenturen der AKP-Regierung schon länger ein Dorn im Auge. Ihnen wird mangelnde Objektivität und ideologisch motivierte Bewertung vorgeworfen, so die Hürriyet.

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