Auto- und Energieimporte: Türkisches Außenhandelsdefizit steigt weiter

Neueste Zahlen zeigen, dass die türkischen Importe im Juli explodiert sind. Die Nachfrage nach Öl und Gas sowie Autos hat stark zugelegt. Dafür stieg der türkische Export in die EU um 22,5 Prozent, trotz anhaltender Krise.

 

Das ohnehin große türkische Außenhandelsdefizit leidet unter steigenden Importen von Autos, Gas und Öl. Im Juli stiegen die Importe um das Vierfache des Wachstums der Exporte. Das Defizit beläuft sich auf 9,81 Milliarden Dollar, was im Vergleich zum Juli des Vorjahres einen Zuwachs um 22,5 Prozent bedeutet. Gleichzeitig legt der Export in die EU um 22,7 Prozent zu.

Seit Anfang Mai hat die Lira 12 Prozent im Vergleich zum Dollar an Wert verloren. TheoretischDas würde das einen positiven Effekt auf die Exporte haben, denn so werden türkische Produkte für Auslandswährungen günstiger, Importe hingegen werden teurer. Dabei gibt es allerdings ein Problem: Die türkische Exportwirtschaft ist für die Produktion hauptsächlich auf Importe von Halbfertigprodukten oder Rohstoffen angewiesen ist. Somit steigen die Preise der Exporte auch bei einer schwachen Lira.

So stieg der Export im Juli um 2,2 Prozent, während sich der Import um ganze 10 Prozent erhöhte, so das Türkische Amt für Statistik in einer Mitteilung. Einen besonders hohen Anstieg haben motorisierte Landfahrzeuge zu verzeichnen, denn sie legten im Juli um 41,8 Prozent zu. In diesem Fall kann der Anstieg nicht allein auf die schwache Lira zurückgeführt werden, sondern wird auf eine vermehrte Nachfrage nach solchen Fahrzeugen zurückgeführt.
Der derzeit äußerst hohe Benzinpreis von 5 Lira (1,86 Euro) in der Türkei zeigt, dass der Wertverlust der Währung starke Auswirkungen auf Öl und Gas hat. Der Import von Öl und Gas nimmt mit 4,7 Milliarden Dollar den größten Posten der gesamten Importe ein.

Die EU hingegen erweist sich als besonders stark wachsender Exportmarkt für die türkische Wirtschaft. Gut ein Drittel aller Importe ging im Juli in die EU. Das bedeutet einen Zuwachs von 22,7 Prozent im Vergleich zum Juli des vergangenen Jahres. Dabei ist Deutschland der wichtigste Export- und Importpartner der Türkei.

„Man kann nicht sagen, dass die Krise in der EU vorbei ist. Aber jetzt kann man sagen, dass der negative Trend gestoppt ist. Das Beste daran ist jedoch, dass die türkischen Exporte in die EU steigen, bevor sich die EU nachhaltig von der Krise erholt hat“, sagt der türkische Wirtschaftsminister Zafer Çağlayan auf Nachfrage der Hürriyet. Außerdem bremst der Wirtschaftsminister den Optimismus derjenigen, die in der schwachen Lira günstige Exportbedingungen sehen. Man solle nicht ignorieren, dass Exporte durch steigende Importkosten teurer werden könnten.

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