Unruhige Region: Türken fürchten um ihre Sicherheit im Ausland

Die gewaltsame Entführung eines Turkish Airlines-Piloten und seines Co-Piloten im Libanon Anfang August hat die türkische Bevölkerung aufgeschreckt. Die Sorgen wachsen, dass ein Aufenthalt für sie in einigen Ländern nicht mehr sicher sein könnte. Besonders im Blick sind Staaten in denen es bereits Unruhen gibt oder eine angespannte Situation herrscht.

Der jüngste Entführungsfall im benachbarten Ausland versetzt die türkische Bevölkerung offenbar nachhaltig in Alarmbereitschaft. Er ist das i-Tüpfelchen in einer ganzen Reihe von negativen Erfahrungen, die türkische Staatsbürger in den vergangenen Jahren im Ausland erleben mussten.

Rückblende: Die Turkish Airlines-Crew flog am frühen Freitagmorgen des 9. August von Istanbul nach Beirut. Mit dem Bus ging es nach der Landung auf dem Rafik Hariri Airport über eine alte Flughafenstraße in Richtung Hotel. Auf dem Weg wurden sie von zwei Fahrzeugen gestoppt. Sechs bewaffnete Männer der bis dato unbekannten Gruppe namens al-Imam Zuwaar Rida zwangen darauf hin den Piloten und seinen Co-Piloten mit ihnen zu kommen. Die übrigen Crew-Mitglieder ließen sie gehen. Die libanesischen Behörden reagierten unmittelbar. Die Sicherheitsmaßnahmen für türkische Bürger im Land wurden verschärft (mehr hier). Schnell folgten erste Festnahmen. Frei sind die beiden Piloten bisher aber immer noch nicht.

Türken im ägyptischen Gefängnis

Die beiden türkischen Piloten sind jedoch nicht die ersten Staatsbürger, die im Ausland entführt oder eingesperrt wurden. So wartet etwa der türkische Journalist Metin Turan, vom staatlichen Fernsehsender TRT, nach wie vor auf seine Freilassung aus dem Tora Gefängnis im Süden Kairos, nachdem er von ägyptischen Sicherheitskräften festgenommen wurde (mehr hier). Er teilt sein Schicksal mit Reşat Öztürk. Ihn verhafteten die Ägypter wegen des Vorwurfs der Spionage, so die türkische Zaman. Auch der Libanon war in der Vergangenheit bereits Schauplatz von Entführungen türkischer Staatsbürger. Erst im September 2009 konnten etwa Aydın Tufan Tekin und seinen Angehörigen wieder aufatmen. Der im vergangenen Sommer im Libanon von einem schiitischen Clan entführte türkische Geschäftsmann kam erst nach vielen Wochen wieder auf freiem Fuß. Eine zweite Entführung führte kurz darauf gar zu einer Reisewarnung für das Land. Auch der LKW-Fahrer kam mittlerweile wieder frei.

Doch Ägypten und der Libanon sind nicht die einzigen Staaten, in denen türkische Staatsbürger mit einem Sicherheitsproblem zu kämpfen haben. Verwiesen sei hier nur auf den Fall des Journalisten Bashar Fahmi Kadumi, der seit mehr als einem Jahr im krisengebeutelten Syrien festgehalten wird. Noch immer ist nicht klar, wie es ihm ergangen ist.

Die Türkei liegt im Streit mit ihren Nachbarn

Derzeit befindet sich die türkische Regierung sowohl mit Syrien als auch Ägypten im Clinch. Im Nachbarland Syrien hat sich die AKP-Regierung auf die Seite der Opposition und gegen den langjährigen Verbündeten Baschar al-Assad gestellt. Zuletzt stellte die Türkei noch einmal ganz klar heraus, dass man sich einem Militärschlag des Westens auch ohne UN-Mandat anschließen würde (mehr hier). In Ägypten wiederum erkennt die Türkei die neue Administration nicht an, die Anfang Juli dieses Jahres Präsident Mursi abgesetzt hatte.

Doch zurück zum aktuellen Entführungsfall: Für den Vorstand der türkischen Luftverkehrsgewerkschaft Hava-İş, Atilay Ayçin, ist klar: Sowohl die türkische Regierung als auch THY haben nicht die erforderlichen Maßnahmen ergriffen, um die Sicherheit der Crew zu gewährleisten.

„Sowohl THY und die türkische Regierung es versäumt, die Sicherheit dieser Piloten sichern“, so Ayçin im Gespräch mit der Zaman. Sie seien die ersten, die verantwortlich gemacht werden müssten. THY verbessere die Arbeitsbedingungen ihres Personals nicht. Die Crews würden in Risikoländer fliegen, ohne dass die Fluggesellschaft das Thema Sicherheit weiter beachte. Es sei jedenfalls nicht das erste Mal, dass eine Crew mit einem Sicherheitsrisiko konfrontiert gewesen wäre. „Die THY-Crews haben Auseinandersetzungen in einigen afrikanischen Ländern miterlebt.Im aktuellen Fall wollte die THY-Crew, die in den Libanon geflogen ist, das Flugzeug gar nicht verlassen und in ein Hotel fahren“, so Ayçin weiter. Die Mitarbeitern hätten Angst um ihre Sicherheit, doch THY setze die Flüge in den Libanon nicht aus. Ein Pilot weigerte sich jedoch und verließ demonstrativ die Maschine (mehr hier).

Von offizieller Seite heißt es jedoch, dass die Sicherheitssituation für die besagte Crew Anfang August zwischen Flugzeug und Hotel hervorragend gewesen sei. Nach dem Vorfall seien zudem eine Reihe von Maßnahmen ergriffen worden, berichtet die Zaman. Eine Kontaktaufnahme mit den Familien der Entführten gelang allerdings nicht. Ayçin zufolge würde das von Seiten der türkischen Behörden nicht gestattet. Zu groß sei die Sorge über das Schicksal der beiden Männer.

Libanesischer Clan kündigt weitere Entführungen an

Anders als bei den beiden Entführungsfällen im Sommer 2012 scheint die Situation nun allerdings verschärft. Die Familien der neun libanesischen Geiseln in Syrien haben offenbar damit gedroht, jeden Türken zu entführen, der ihnen in Beirut über den Weg laufe. Die Warnung wird als direkte Reaktion auf die Festnahme eines Mannes gedeutet, die im Zusammenhang mit der Pilotenentführung steht. Auch jetzt wurde eine Reisewarnung für den Libanon herausgegeben. Türkische Staatsbürger im Land wurden aufgefordert, dieses zu verlassen. Erst am vergangenen Sonntag standen der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan und sein libanesischer Amtskollege Najib Mikati zuletzt in Telefonkontakt. Vergebens.

Sorgen machen muss sich die türkische Bevölkerung derzeit allerdings nicht nur um ihre Sicherheit im Ausland. Die bevorstehende Intervention des Westens in Syrien mit der Türkei erhöht die Gefahr, dass syrische, iranische oder Rebellengruppen Vergeltungsanschläge in der Türkei verüben. 400 Spezialisten für chemische und biologische Waffen wurden in dieser Woche bereits an die türkische Grenze geschickt (mehr hier).

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