Freiheit der Kunst? Russischer Maler bittet um Asyl in Frankreich

Wladimir Putin und Dmitri Medwedew in Frauenunterwäsche? Für die russische Obrigkeit ist diese Vorstellung, wenn auch nur in gemalter Form, offenbar nicht mehr mit künstlerischer Freiheit zu vereinbaren. Der Schöpfer dieser Werke soll nun ins Ausland geflohen sein. Seine Ausstellung wurde dicht gemacht.

Der russische Polit-Künstler Konstantin Altunin fühlt sich vom russischen Staat bedroht. Nachdem seine Werke aus einem russischen Museum beschlagnahmt wurden, hat er sich nach Frankreich abgesetzt. Dort, in der Hauptstadt Paris, hat er nun offenbar Asyl beantragt.

Bereits am Montag hatte die russische Polizei vier der satirischen Kunstwerke aus der Ausstellung „Herrscher“ im Museum der Macht in St. Petersburg entfernt, berichtet der Guardian. Anschließend haben die Beamten die gesamte Ausstellung geschlossen. Eines der provokanten Gemälde zeigt Kremlchef Wladimir Putin und seinen Premier Dmitry Medwedew in freizügiger Frauenunterwäsche. Auf welcher gesetzlichen Grundlage die Maßnahme fußt, dazu sollen die Behörden allerdings keine Angaben gemacht haben, berichtet The Independent. Infrage kämen in diesem Fall jedoch gleich zwei Richtungen. Zum einen gibt es in Russland durchaus ein Gesetz, dass die Beleidigung staatlicher Behörden untersagt. Zum anderen könnte hier aufgrund der Darstellung auch das neue und international höchst umstrittene Anti-Schwulen-Gesetz greifen.

Vor seiner Flucht hat sich der Künstler selbst um die Rückgabe seiner Gemälde bemüht. Doch seine schriftliche Bitte an Putin blieb ungehört. Seine Drohung auf Klage verhallte. Nun steht zu befürchten, dass seine Werke zerstört werden. Seine Frau und seine erst zweieinhalbjährige Tochter musste er quasi mittellos in Russland zurücklassen.

Dass Kunst in Russland nicht selten wenig mit freier Entfaltung zu tun hat, zeigte eine Ausstellung im vergangenen Jahr. In dieser wurden die Mitglieder der Protest-Punkband Pussy Riot als heilige Ikonen dargestellt. Die Reaktion der religiösen und Pro-Regierungs-Aktivisten folgte auf dem Fuße. Sie protestierten lautstark gegen die Eröffnung der Ausstellung. Die aktuelle Ausstellung war auch als künstlerischer Beitrag zum Besuch der Staats- und Regierungschefs während des G20-Gipfels in St. Petersburg am 5. und 6. September gedacht.

Neben Frankreich wäre übrigens auch Kanada ein möglicher Zufluchtsort für Altunin gewesen. Der dortige Flüchtlingsrat hat bereits Mitte August signalisiert, entsprechende Asylanträge wohlwollend zu prüfen. Für Lesben, Homosexuelle, Bisexuelle und Transgender (LGBT) bedeutet das neue, russische Gesetz einen dramatischen Einschnitt in ihrer freien Entfaltung. Bei Zuwiderhandlung drohen drakonische Strafen (mehr hier).

Bereits Mitte Juni dieses Jahres kritisierte der deutsche Außenminister Guido Westerwelle das neue Gesetz gegen „Propaganda nicht-traditioneller sexueller Beziehungen”. Die bewusste Stigmatisierung und Strafandrohung gegenüber gleichgeschlechtlichen Beziehungen dürfe in einer modernen und dem Anspruch nach demokratischen Gesellschaft keinen Platz haben, zitierte Reuters Westerwelle. In die gleiche Richtung äußerte sich auch der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechte, Markus Löning. Er sei „zutiefst betroffen“, durch das neue Gesetz würden „Homosexuelle noch weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt und die Presse- und Meinungsfreiheit noch weiter eingeschränkt“, so Löning in Berlin. Es sei aber die „Aufgabe der Regierung, gegen homophobe Stimmungen in der russischen Gesellschaft vorzugehen“. Die bewusste „Diskriminierung und Stigmatisierung von Schwulen und Lesben hat in einer modernen Gesellschaft keinen Platz“, sagte Löning weiter. Doch diese ist noch immer in alten Denkmustern gefangen (mehr hier).

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