Tourismus: Türken, nicht Araber, bevorzugen Halal-Hotels

Hotels, die auf Ansprüche muslimischer Gäste ausgerichtet sind, werden hauptsächlich von Türken besucht. Nach Geschlechtern getrennte Schwimmbecken und Alkoholverbot machen die Hotels auch für nicht muslimische Familien attraktiv.

In gewöhnlichen Hotels fühlen sich offenbar vor allem türkische Gäste nicht besonders wohl. Die so genannten islamischen Häuser ziehen in erster Linie hiesige Gäste an. Sie machen einen Großteil der Besucher dort aus. Ihnen nach folgen Türken, die im Ausland leben und in der Heimat einen alternativen Urlaub genießen möchten. Interesse werde aber durchaus auch von Muslimen aus anderen europäischen Ländern und Russland gezeigt. Auch, wenn ihr Anteil am Gesamtmarkt nach wie vor relativ gering ist.

Ankommen, sich wohlfühlen, ein paar unbeschwerte Tage genießen: Bereits seit einigen Jahren ist das für immer mehr türkische Touristen offenbar mit diesem ganz bestimmten Ambiente verbunden. Sie bevorzugen einen „familiären“ Urlaub in konserverativer Atmosphäre. Die Nachfrage in diesem Segment, das war schon im Sommer 2012 klar, ist immens gestiegen. Von 200 Prozent war zu jener Zeit die Rede (mehr hier). Und die positive Tendenz scheint sich fortzusetzen, wie die türkische Zeitung Hürriyet berichtet. Vor allem Frauen würden sich in dieser Umgebung besonders wohl fühlen. „Verschleierte Frauen können hier Badeanzüge oder Bikinis zu tragen, während sie in separate Pools oder an getrennten Stränden im Meer schwimmen“, so Seval Tur General Manager Ömer Solmaz zur Zeitung. Unverschleierte Frauen wiederum würden die Freiheit genießen, eben nicht im Blickfeld der Männer zu sein und so ungestört Ferien machen zu können.

Arabische Touristen suchen im Urlaub nicht das Konservative

Arabische Touristen, die man hier vielleicht eher vermutet hätte, würde im Gegensatz jedoch eher normale Hotels bevorzugen. In den Sommermonaten ziehe es auch sie in den Süden der Türkei. Da sie bereits in sehr konservativen Ländern leben würden, würden sie während der Ferien nach etwas anderem suchen.

In dieser Zeit seien die islamischen Hotels jedoch ohnehin voll ausgebucht. Einzig während des heiligen Fastenmonats Ramadan gingen die Kapazitäten um gut 50 Prozent zurück. Geschuldet sei das jedoch dem einfachen Umstand, dass Gläubige sich in dieser Zeit vor allem dem Gebet widmen. Auch das Schwimmen sei während des Ramadans nicht gestattet. Doch auch diesen Aspekt würden mittlerweile einige Anlagen berücksichtigen und die Strände nun in der Nacht beleuchten, um den Gästen ein Bad nach dem Iftar zu ermöglichen.

Höhere Gewinnmargen und Auslastung

Konservative Ferien sind ein Trend, der sich vor allem in den vergangenen zehn Jahren beobachten lässt und direkt mit der Zeit unter der AKP-Regierung zusammenfällt. Im Augenblick gibt es rund 50 Hotels, die einen alternativen Urlaub anbieten. Geschätzte 30 davon sind „halal“-Hotels, 20 so genannte Thermalhotels. Doch alles deute darauf hin, dass sich deren Zahl weiter steigere, so das Blatt. Vorzufinden sind die „halal“-Häuser vor allem im Süden der Türkei, in der Ägäis, im Nordwesten und in der Schwarzmeer-Region. Die Thermalhotels, die vor allem gesundheitsbewusste Gäste ansprechen, lägen hingegen meist im Landesinneren. Hier gibt es aus gesundheitlichen Gründen keinen Alkohol. Doch mit der Zeit, wurden auch diese Einrichtungen Teil des islamischen Touristenangebots. Und Geld verdienen lässt sich mit diesen offenbar auch besser, als mit herkömmlichen Häusern. Immerhin: Die Preise pro Person, pro Nacht liegen hier zwischen 25 Euro und 220 Euro. Am Ende sind sowohl die Profitmargen als auch die Auslastung in der Regel höher als bei anderen. Solange das so bleibt, werden auch die Investitionen in diesen Sektor weitergehen. Die Regierung und Premier Erdoğan jedenfalls tun ihr Bestes, um konservative Tendenzen im Land weiter voran zu treiben (mehr hier).

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