Innovativer Roboteranzug: Eine Alternative zum Rollstuhl

Eine japanische Firma hat einen Anzug entwickelt, der gelähmten Menschen in naher Zukunft das Gehen wieder ermöglichen könnte. Der TÜV Rheinland hat der Firma die Freigabe für den Verkauf auf dem europäischen Markt erteilt.

Die japanische Firma Cyberdyne hat einen Anzug entwickelt, der querschnittsgelähmten Menschen in naher Zukunft wieder zum Gehen verhelfen könnte. Das Exoskelett trägt den Namen HAL (Hybrid Assistive Limb). Es unterstützt vorhandene Bewegungen und ist sogar in der Lage, fehlende Bewegungen autonom zu ersetzen. Der TÜV Rheinland hat Cyberdyne Anfang August das CE-Zertifikat erteilt, das es der Firma erlaubt, das Produkt auch in Europa zu vertreiben.

Wenn ein Mensch eine Bewegung ausführen möchte, sendet das Gehirn Signale über die Nervenbahnen (sogenannte efferente Motoneuronen) an die Muskeln. HAL kann mit speziellen Sensoren auch sehr schwache Signale an der Hautoberfläche ablesen und ihren Bestimmungsort zuordnen. Dann unterstützt der Anzug die gewünschte Bewegung. Dieses System nennen die Entwickler ein „freiwilliges Kontrollsystem“.

Bei Querschnittsgelähmten sind die Motoneuronen im Rückenmark häufig beschädigt, was eine Nervenübertragung unmöglich macht. Wenn ein Auslesen der Nervenübertragung durch die Ausprägung der Querschnittslähmung unmöglich ist, verfügt HAL noch über ein zweites System. Das „autonome Roboterkontrollsystem“ kann selbstständig menschenähnliche Bewegungen ausführen und es gelähmten Menschen so wieder ermöglichen zu gehen.

Der komplette Anzug soll etwa 23 Kilogramm wiegen und eine Leistungsdauer von zwei Stunden und 40 Minuten haben. Eine kleinere Ausführung, die sich nur auf die Motorik der Beine beschränkt, wird etwa 16 Kilogramm schwer sein. Cyberdyne sieht die Hauptanwendungsfelder von HAL in der unterstützenden Funktion während einer Rehabilitation (REHA) sowie in der Alltagsunterstützung von Menschen mit Behinderung. Zudem erkennt die Firma mögliche Anwendungsfelder im Bereich von schweren Arbeiten in Fabriken, im Bereich des Katastrophen- und Rettungseinsatzes und in der Unterhaltungsbranche.

Damit rückt die technologische Singularität – die Verschmelzung von Mensch und Maschine – in greifbare Nähe. Bereits 2005 sorgte ein Buch von Ray Kurzweil, einem amerikanischen Futuristen und Leiter der Ingenieursabteilung von Google, für großes Aufsehen. Kurzweil gilt als Vertreter des Transhumanismus und propagierte als nächsten evolutionären Schritt eine baldige Verschmelzung des Menschen mit der Technik. In Zeiten von Google Glass, Karbon-Prothesen und Roboteranzügen scheint dies nicht zu weit hergeholt.

Mehr zum Thema:

Türkischer Gesundheitsmarkt erreicht internationale Standards, Gesundheitssystem noch nicht
Londoner Gesundheitsexperte: Türkische Reformen könnten Vorbild für Rest der Welt sein
Auf der Suche nach Heilung: Türkei empfängt jedes Jahr mehr als 200.000 Patienten

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.