TV-Duell: Deutsch-türkische Themen „vergessen“

Das TV-Duell brachte es fertig, das wichtigste Thema für die Wähler komplett auszublenden: Über Integration diskutieren Schulen, Sportvereine und Stammtische. Politik und Staatsfernsehen schweigen - aus purer Angst, das Falsche zu sagen.

Die Gesellschaft bewegende Fragen wie soziale Ungerechtigkeit, Integration, Fremdenhass, Bildungspolitik, fehlten beim TV-Duell am Sonntag komplett. Probleme, die Merkel oder Steinbrück schlecht dastehen lassen könnten – einfach totgeschwiegen.

Die Scheuklappen der Politiker haben direkte Auswirkungen auf die Gesellschaft. Das Verschweigen der Politik deckt nicht nur die chauvinistischen Machos unter den Zuwanderern. Es lässt auch den Großteil dieser Gruppe unter den Tisch fallen – leistungswillige integrierte junge Deutsche. Ihre Interessen werden weder in der Politik, noch in den Öffentlich-Rechtlichen vertreten. Mit deutsch-türkischen Programmen könnte genau diese Gruppe angesprochen werden. Dafür würden sich die Rundfunkgebühren dann auch lohnen.

Eine aktuelle Studie der Bundesregierung zeigt: Das politische Interesse bei Menschen mit Zuwanderungsgeschichte ist sogar noch höher als beim Rest der Bevölkerung (mehr hier). Die Wähler dieser Gruppe entscheiden sich immer häufiger gegen die SPD und die CDU. Statt eines Migrantenwahlkampfes ist die Beschäftigung mit für sie brisanten Themen wie die doppelte Staatsbürgerschaft erfolgreich (mehr hier).

Bei den privaten Sendern sieht es nicht anders aus. Als Paradebeispiel für den typischen Migranten tauchen Proleten wie Bushido auf.

Die große Gefahr dabei: Das Ausblenden der Probleme führt dazu, dass Menschen wie Sarrazin das Feld überlassen wird. So kann er mit seinen latent rassistischen Ansichten überhaupt Gehör in der Bevölkerung finden und avanciert für viele zur Symbolfigur.

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