Ernährungspgrogramm: Indien braucht Geld und Vorräte für die Armen

Im Kampf gegen den Hunger hat die indische Regierung ein immenses Ernährungsprogramm verabschiedet, das die Ernährung von 820 Millionen Menschen sicherstellen soll. Aber es gibt nicht genügend Lebensmittelvorräte. Die Finanzierung des 16 Milliarden Euro-Projektes ist auch noch nicht geklärt. Die indische Wirtschaft stagniert und die Währung gerät unter Druck. Damit die Hilfe auch bei den Menschen ankommt, muss Indien die Korruption im Land bekämpfen

Indien verstärkt den Kampf gegen Armut und Hunger. Das Unterhaus hat am Montag ein Ernährungsprogramm für 820 Millionen Menschen verabschiedet, dass ihnen in Zukunft Anspruch auf kiloweise Getreide zu Cent-Preisen ermöglichen soll. Sonja Gandhi, Chefin der regierenden Kongresspartei, nannte die Zustimmung des Unterhauses einen „historischen Schritt“.

Nahezu ein Drittel aller Armen weltweit lebt in Indien. Die Regierung hat es trotz Rekordwachstum der Wirtschaft in den vergangenen zwei Dekaden versäumt, das Problem der Unterernährung zu lösen. Etwa die Hälfte aller Kinder bekommt nicht genug zu essen.

Das Hilfsprogramm kommt nun zu einer Zeit, in der der wirtschaftliche Aufschwung in Indien auf sich warten lässt. Voraussichtlich muss die Regierung die Wachstumsprognose von 6,5 Prozent für das laufende Jahr nach unten korrigieren. Die Wirtschaft wächst so schwach wie seit zehn Jahren nicht mehr, berichtet Bloomberg. Die indische Währung Rupie hat in den vergangenen fünf Jahren fast ein Drittel ihres Wertes verloren.
Die Opposition kritisiert, es gebe nicht genügend Geld, um die jährlich anfallenden 16 Milliarden Euro aufzubringen, die das Programm beansprucht. Zudem gebe es derzeit gar nicht genügend Lebensmittelvorräte, um die Versorgung gemäß Programm sicherzustellen.

Trotzdem soll das Programm noch vor den Wahlen im kommenden Frühjahr durchgesetzt werden. Dazu muss nur noch das Oberhaus seine Zustimmung geben. Der Preis für Reis wird dann auf vier Cent pro Kilogramm festgesetzt. Weizen kostet drei Cent und andere Getreidesorten einen Cent. Zudem sollen stillende Frauen und Schulkinder kostenlose Mahlzeiten erhalten.

Nach Angaben vom Handelsblatt haben etwa drei Viertel der Land- und etwa die Hälfte der Stadtbevölkerung Anspruch auf die subventionierten Lebensmittel.

Die Oppositionspartei BJP bemängelt, dass der Zugang zum Getreide zwar den Hunger bekämpfen könne, aber noch nicht zu einer ausgewogenen Ernährung beitrage. BJP-Mitglied Murli Manohar kritisiert zudem: „Das ist kein Ernährungssicherungsgesetz, das ist ein Wahlsicherungsgesetz.“ Premierminister Manmohan Singh will im nächsten Jahr für eine zweite Legislativperiode im Amt bestätigt werden und ist auf die Stimmen der Landbevölkerung angewiesen.

Das derzeitige Verteilungssystem von Nahrungsmitteln in Indien ist gekennzeichnet durch Diebstahl und Korruption. Lediglich 41 Prozent der für die Armen bereitgestellten Lebensmittel kamen 2005 auch tatsächlich dort an, heißt es in einer Studie der Weltbank aus dem Jahr 2011.

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