UN: Zahl der syrischen Flüchtlinge überschreitet Zwei-Millionen-Marke

Just in der Woche der Entscheidung über einen möglichen Militärschlag gegen Syrien veröffentlicht das Flüchtlingshilfswerk der UNO (UNHCR) alarmierende Zahlen. Mittlerweile sind mehr als zwei Millionen Menschen aus ihrer vom Krieg verwüsteten Heimat geflohen. Das ist fast die zehnfache Zahl im Vergleich zum Vorjahr.

Das Flüchtlingshilfswerk der UNO (UNHCR) beschreibt einen Exodus der syrischen Bevölkerung. Unzählige Männer, Frauen und Kinder hätten mittlerweile das Land verlassen. Meist nicht mehr bei sich, als die Kleider auf ihrem Leib. Die Entwicklung hat in den vergangenen zwölf Monaten dramatische Ausmaße angenommen. Zum Vergleich: Am 3. September 2012 waren lediglich 230.671 syrische Flüchtlinge registriert.

Zu den mehr als zwei Millionen syrischen Flüchtlingen kommen jedoch noch einmal gut 4,5 Millionen Menschen hinzu, die seit dem Beginn des Konflikts im März 2011 innerhalb des Landes vertrieben wurden. Damit wurden insgesamt rund 6,2 Millionen Syrer aus ihren Häusern gerissen. Das sei eine beispiellose Zahl und stelle damit gut ein Drittel der syrischen Vorkriegsbevölkerung von 20.8 Millionen, berichtet die türkische Hürriyet.

Beispiellose humanitäre Katastrophe

„Syrien ist zur großen Tragödie dieses Jahrhunderts geworden“, so  UNO-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres. Die Situation im Land sei eine „beschämende humanitäre Katastrophe“, deren Leid und Vertreibung in der jüngeren Geschichte ohne gleichen wären. Der einzige Trost sei die Humanität, die von Seiten der Nachbarländer gezeigt werde, indem sie die Flüchtlinge aufnähmen und versorgten.

In den vergangenen zwölf Monaten flohen knapp 1,8 Millionen Syrer aus ihrer Heimat. Durchschnittlich folgen ihnen täglich rund 5000 Menschen über die Grenzen nach. Am 23. August dieses Jahres hätte nach Angaben des UNHCR die Zahl der syrischen Kinder, die als Flüchtlinge leben, die Eine-Million-Marke erreicht (mehr hier).

Fast eine halbe Million Flüchtlinge in der Türkei

Das Flüchtlingshilfwerk warnt: Der massive Zustrom stelle für die aufnehmenden Länder eine überwältigende Belastung dar. Bis Ende August wurden 716.000 syrische Flüchtlinge im Libanon registriert oder befinden sich in dem entsprechenden Prozess, 515.000 Flüchtinge befinden sich in Jordanien, 460.000 in der Türkei, im Irak sind es 168.000 und 110.000 in Ägypten.

In höchster Sorge zeigt sich auch Hollywood-Star und UNHCR-Sondergesandte für Syrien, Angelina Jolie. Die Flut des menschlichen Leidens, das durch den Konflikt entfesselt wurde, habe katastrophale Auswirkungen. Verschlechtere sich die Situation weiterhin in diesem Tempo, werde die Anzahl der Flüchtlinge weiter zunehmen und die Nachbarländer an den Rand des Zusammenbruchs bringen. Ungeachtet der aktuellen Meinungsverschiedenheiten über ein Eingreifen in Syrien, gelte es in aller erster Linie das Leid der Menschen zu lindern. Die Schauspielerin und sechsfache Mutter machte sich bereits vor Ort ein Bild (mehr hier).

Israelische Militärs warnen vor US-Einsatz

Das UNHCR plant für diesen Mittwoch mit Ministern aus dem Irak, Jordanien, Libanon und der Türkei eine Zusammenkunft in Genf, um die internationale Unterstützung voranzutreiben.

Unterdessen warnen israelische Militärs US-Präsident Obama vor einem Militärschlag. Er würde tausende zivile Todesopfer fordern. Der BND und die Franzosen präsentieren Beweise für die Schuld Assads. Folgt Obama den Geheimdiensten, wäre er der erste Friedens-Nobelpreisträger, der als Oberbefehlshaber einer Supermacht in den Krieg zieht.

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