Kein Platz für Pierre Vogel: Stadt Frankfurt sagt Kundgebung ab

Die Stadt Frankfurt möchte verbieten, dass der Salafist Pierre Vogel am kommenden Samstag eine Veranstaltung in der Innenstadt abhält. Seine Anhänger haben rechtliche Schritte eingeleitet. Bereits 2011 wurde ein Verbot vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof aufgehoben.

Der salafistische Prediger Pierre Vogel darf am kommenden Samstag nicht in der Frankfurter Innenstadt auftreten. Die Stadt Frankfurt untersagt die Kundgebung mit dem Titel „Wie erlangt man den Weltfrieden“ mit der Begründung, die salafistische Gruppierung um Vogel verfolge verfassungsfeindliche Absichten. Die Salafisten haben rechtliche Schritte gegen das Verbot der Stadt eingeleitet.

Die Stadt Frankfurt könne nach eingehender Recherche davon ausgehen, dass auf dem geplanten Kongress Gedanken verbreitet würden, die der Völkerverständigung und anderen Grundrechten widersprächen. Es ist jedoch unklar, ob die Stadt ihr Verbot durchsetzen kann, so das Journal Frankfurt. Die salafistische Gruppierung geht mit einem Eilantrag beim Verwaltungsgericht Frankfurt gegen die Entscheidung vor. Bereits 2011 hatte die Stadt versucht eine Kundgebung der Salafisten zu unterbinden. Dies wurde jedoch vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof aufgehoben und die Veranstaltung fand unter Auflagen statt.

„In unserer toleranten und weltoffenen Stadt ist kein Platz für solche Hassprediger“, so der Frankfurter Ordnungsdezernent Markus Frank auf Nachfrage des Journal Frankfurt. Dass die Veranstaltung unter dem Titel „Friedenskongress“ ablaufe, sei nichts als Provokation, auf die die Stadt mit dem Verbot reagiere. In einer Videobotschaft auf Youtube gibt Vogel an, dass auf der Veranstaltung 100.000 Euro für die humanitäre Hilfe in Syrien gesammelt werden solle. Im Anschluss daran ruft er dazu auf, für den Sturz Bashar Al-Assads zu beten, auf dass der Islam in Syrien siege. Welchen syrischen Rebellengruppen die Gelder also zukommen, lässt sich leicht erahnen.

Der deutsche Konvertit Pierre Vogel ist eine rhetorisch gewandte Figur, die öffentlich als Sprachführer der Strömung auftritt. Unter dem Deckmantel, die eine „wahre“ Botschaft des Islam zu verkünden, werden meist männliche, junge desorientierte Menschen für diese  spezielle Richtung des Islams angeworben. Die Strategie der lehnt einerseits den westlichen Lebensstil als verschwenderischen Hedonismus ab und bietet andererseits eine Alternative im Rückzug in einen vermeintlich puren, bis ins Kleinste regulierenden Islam.

Gerade für einige junge Menschen ist die geschlossene salafistische Gemeinschaft attraktiv. Sie verkündet eine unumstößliche Wahrheit in einer Gesellschaft, in der es keine übergeordneten Autoritäten mehr gibt. Alle Nicht-Muslime werden zu Ungläubigen degradiert, wodurch die Salafisten sich als moralisch einwandfreie geistliche Elite darstellen können. Denn andere Muslime, die nicht der strengen Auslegung der Salafisten folgen, werden als Nestbeschmutzer herabgesetzt.

Der Salafismus ist eine extrem orthodoxe und kompromisslose Strömung des Islam. Die Lebensführung der Salafisten orientiert sich an der Zeit, in der der Islam gegründet wurde (mehr hier). Entsprechend archaisch und deplatziert wirken ihre Erscheinungsweise und Gepflogenheiten in modernen westlichen Gesellschaften. Wesentliche Werte demokratischer Gesellschaften, wie die Gleichberechtigung von Mann und Frau, werden im Namen ihrer Interpretation des Islam abgelehnt. So betrachtet auch Pierre Vogel ein Kopftuch für Frauen als Pflicht, lehnt Zwangsheirat aber ab.

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