Türkisches TV auf Erfolgskurs: Serien laufen nun auch in Afghanistan

Türkische Serien setzen ihren Vormarsch in weitere internationale Gefilde fort. In Afghanistan erfreuen sich türkische Dramen großer Beliebtheit, sogar Kleidung im Stile der Schauspieler entwickelt sich zum Verkaufsschlager auf dem Basar.

Türkische Serien erfreuen sich großer Beliebtheit im arabischen Raum und nun auch in Afghanistan. Über 200 türkische Serien, vom kitschigem Drama bis zur actionreichen Polit-Serie, werden im afghanischen Fernsehen ausgestrahlt. Der Grenzgang zwischen Traditionsbewusstsein und aufgeschlossener Modernität überzeugt Zuschauer aus allen sozialen Schichten.

Nach Griechenland, der Slowakei, dem gesamten arabischen Raum, Iran und Pakistan drängt der Boom türkischer Serien nun auf den afghanischen Fernsehmarkt. Neben der inhaltlichen Mischung aus Tradition und Moderne stoßen auch die Möbel und Kleidung der Schauspieler auf positive Resonanz. So seien Produkte im Kleidungsstil Polat Alemdars, eines Hauptdarstellers der Serie Kurtlar Vadisi („Tal der Wölfe“), schnell vergriffene Objekte der Begierde in afghanischen Läden, so Hürriyet. Ein Restaurant in Kabul mit dem Namen „Polats Burger“ zöge allein aufgrund des Namens mehr Besucher an, sagt der Besitzer Ahmed Jevad Kadiri.

„Vor einigen Jahren wurden indische Dramen im afghanischen Fernsehen ausgestrahlt. Jetzt senden nahezu alle Sender türkische Dramen, weil die Menschen sie lieben. Wir haben eine extra Abteilung in unserem Sender, die die Serien ins Dari [Afghanisches Persisch;Anmerkung der Redaktion] übersetzt“, so Hayat Yakubi, Direktor des afghanischen Privatfernsehens auf Nachfrage der Anadolu Nachrichtenagentur.Das afghanische Fernsehen würde die Serien zu einem geringeren Preis beziehen als arabische Sendeanstalten.

Serien enthalten subversives Potential

In abgelegenen Regionen, in denen es keinen Empfang gibt, werden auf dem Basar in die lokale Sprache übersetzte DVDs türkischer Serien verkauft. Familiendramas und blutige Fehden finden also ihren Weg in die entlegensten Ecken des von Jahrzehnte langem Krieg gebeulten Landes. Die Serien vermitteln eine Ahnung davon, wie es möglich ist, ein Leben zwischen Ansprüchen traditioneller Strukturen und der Chancenvielfalt moderner Gesellschaften zu führen. In diesem Sinne exportieren sie nicht nur Unterhaltung, sondern auch die Auseinandersetzung mit dem grundlegenden Widerspruch der türkischen Gesellschaft.

Dass die Toleranzschwellen in Afghanistan und der Türkei trotzdem noch anders gelagert sind, beweist die Zensur einiger Serien. Im letzten Jahr wurde die Serie Aşk-ı Memnu („Verbotene Liebe“) aufgrund der Unvereinbarkeit mit afghanischen Normen verboten. 2008 erließ der Großmufti Saudi-Arabiens eine Fatwa, ein religiöses Gutachten, dass die Serie Gümüs verurteilte. Jeder, der die Serie ausstrahle, sei der Ansicht des Großmuftis nach ein „Feind Gottes und des Propheten“, so Al-Jazeera. In der Serie tranken Muslime Wein. Arabische Konservative sehen in türkischen Serien ein subversives Potential, das bei den Zuschauern den geheimen Wunsch, den Islam als bestimmende Ideologie aus dem Alltag rauszudrängen, bestätigen kann.

Solche Ängste religiöser Eliten können aber nichts an der Popularität türkischer Serien ändern. Nach einer Studie in Auftrag der Türkischen Stiftung für soziale und wirtschaftliche Studien befürworten 67 Prozent der Zuschauer der Serien in arabischen Ländern das „Türkische Modell“ von Demokratie und Islam. 75 Prozent der Befragten haben bereits türkische Serien gesehen, was die flächendeckende Verbreitung unterstreicht, so The National. Eine direkte Verbindung vom Serienkonsum zum Wunsch nach Demokratie herzustellen, wäre unseriös. Dafür sind andere, harte Faktoren ausschlaggebend, die auch den Arabischen Frühling ausgelöst haben.

80 bis 90 türkische Serien werden jährlich produziert, wobei die Quoten darüber entscheiden, ob eine Serie nach ein paar Folgen fortgesetzt wird. Der Wettbewerb ist groß, daher schaffen es ca 50 Prozent der Serien nicht über die ersten Folgen hinaus. Allein in diesem Jahr sollen Serien im Wert von 100 Millionen Dollar exportiert werden, so The International. Zum Vergleich: 2007 betrug das Volumen gerade einmal eine Million Dollar.

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