Umfrage: Russlands internationales Ansehen sinkt wegen Syrien und Homosexuellen-Politik

Das internationale Image Russlands leidet unter der aktuellen weltpolitischen Lage. Besonders in Ägypten und Jordanien sank das Ansehen, in Europa ist es unverändert schlecht. Griechen und Südkoreaner entpuppen sich als große Russland-Fans.

Nach einer aktuellen Umfrage verliert Russland international an Ansehen. Die Studie wurde in 38 Ländern mit je 1000 Beteiligten durchgeführt. 39 Prozent der Befragten haben ein negatives, 36 Prozent ein positives Bild von Russland. Jordanier und Ägypter haben eine im Vergleich zur Befragung im Jahr 2007 deutlich schlechtere Wahrnehmung Russlands. Die Studie wurde vom Washingtoner Pew Research Center durchgeführt.

Das Ergebnis deutet auf einen Zusammenhang mit der russischen Nahost-Politik hin. Schlechte Umfragewerte in europäischen Ländern könnten mit kürzlich verabschiedeten Anti-Homosexuellen-Gesetzen zusammenhängen.

Bei Griechen und Südkoreanern genießt Russland den besten Ruf. Mehr als die Hälfte der Befragten aus Israel, Jordanien, Frankreich, Ägypten, Deutschland und Italien bekennen sich jedoch negativ zu Russland. Insbesondere Israelis und Jordanier leiden unter dem andauernden Syrien-Konflikt, dessen diplomatische Lösung bisher auch an Russlands Blockadehaltung gescheitert ist. In Jordanien leben derzeit 500.000 syrische Flüchtlinge, was fast zehn Prozent der jordanischen Bevölkerung entspricht.

Anti-Homosexuellen-Gesetze mitverantwortlich für schlechten Ruf

Dass europäische Befragte aus Deutschland, Frankreich und Italien auf Russland schlecht zu sprechen sind, steht wohl im Zusammenhang mit der restriktiven Homosexuellen-Politik unter Präsident Putin (mehr hier).

Vor kurzem wurde ein Gesetz verabschiedet, dass die öffentliche Zurschaustellung von Homosexualität unter Strafe stellt. Das deutsche Auswärtige Amt sprach daher eine Reisewarnung für Russland aus. Inzwischen möchte sich nach Barack Obama auch Wladimir Putin mit russischen Gay-Aktivisten treffen. Im Rahmen des G-20-Gipfels in Sankt Petersburg versucht der russische Präsident öffentlichkeitswirksam seine Toleranz zu demonstrieren.

„Eigentlich fehlt noch die juristische Praxis dieses Gesetzes, weil noch niemand aufgrund dieses Gesetzes zur Verantwortung gezogen wurde. Dennoch sind die sozialen Folgen des Gesetzes ziemlich ernsthaft. Seit seiner Annahme stieg die Zahl der Übergriffe auf Schwulen und Lesben“, sagt der Gay-Aktivist Nikolaj Alexejew, der sich mit Putin treffen will, im Interview mit Radio Stimme Russlands.

Konstantin Kosatschew, Chef der Föderalagentur für Angelegenheiten der GUS, für Fragen der im Ausland lebenden Landsleute und für internationale humanitäre Zusammenarbeit, gibt sich trotzig angesichts der Befunde der Studie. Im Westen sei es in Mode, sich negativ über Russland zu äußern und die Russen für alles Schlechte verantwortlich zu machen, so Ria Novosti.

Kehrt man die Fragestellung um, fragt man also die von Russen als Freunde und Feinde empfundenen Länder ab, erhält man interessante Befunde. Als enge Freunde betrachtet werden die ehemaligen Sowjetrepubliken Weißrussland und Kasachstan, gefolgt von China. Größter Feinde sind aus Sicht russischer Bürger trotz Ende des Kalten Krieges die USA. Darauf folgt Georgien, dass sich während des Südossetien-Krieges 2008 mit Russland anlegte. Die baltischen Staaten Lettland, Litauen und Estland erwecken das Misstrauen der Russen, weil sie sich immer stärker der EU annähern bzw. schon Mitgliedsstaaten sind, so eine Langzeitstudie des Lewada-Zentrums. Die Wahrnehmung der Russen ist also immer noch stark vom Schema des Kalten Krieges geprägt, wobei aktuelle Ereignisse kleine Ausschläge nach oben oder unten bewirken.

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