G20-Gipfel: Erdoğan sucht Verbündete für Syrien-Angriff

Die Türkei will den G20-Gipfel nutzen, um für einen Militärschlag gegen Syrien zu werben. Schon im Vorfeld wird nicht der Giftgasanschlag in den Vordergrund gerückt, sondern das „humanitäre Unglück“.

Auf dem G20-Gipfel hat sich Erdoğan bereits mit dem französischen Präsidenten Francois Hollande getroffen, dem er angeblich Dokumente überreicht haben soll, die einen Giftgasanschlag durch die syrische Regierung beweisen sollen. Auch in weiteren Treffen will Erdoğan aktiv für eine Koalition gegen Assad werben.

Gegen China und Russland ging die Türkei schon vor dem G20-Gipfel aggressiv vor. Putins Meinung zu Syrien sei „seltsam“ und unverständlich. Davutoglu geht eine chinesische Journalistin an, die ihn nach einem Militärschlag der Nachbarländer ohne UN-Mandat fragt.

Premier Erdoğan ging im Vorfeld insbesondere Präsident Putin an. Seine Aussage, er werde einer UN-Resolution nur nach Beweis eines Giftgasanschlags zustimmen, sei nicht nachvollziehbar.

„Sie töten Menschen per Luftangriff und das ist kein Verbrechen. Aber wenn sie mit Giftgas töten, ist das ein Verbrechen. Erstmal sollten wir uns entscheiden, ob Töten ein Verbrechen ist oder nicht. Sie werden das Töten von 100.000 Menschen nicht Verbrechen nennen, aber wenn 1.300 oder 130 Menschen getötet werden sagen sie, dass sie hinter der UN stehen, wenn die Verwendung von C-Waffen bewiesen ist. Das erscheint mir seltsam.“

In allen Treffen, ob bi- oder multilateral, werde er Syrien mit Nachdruck ansprechen, zitiert ihn die Hürriyet.

Auch Davutoglu wirbt im Vorfeld mit dem Hinweis auf die humanitäre Situation für einen Militärschlag. Auf den Kommentar einer chinesischen Journalistin, Nachbarländer Syriens würden einen US-Militärschlag unterstützen und würden sich damit nicht UN-konform verhalten, sagte Davutoglu:

„Wir sind keine Journalisten, Außenminister, Experten, Diplomaten. Wir sind alle Menschen. Bitte, kommen Sie in unsere syrischen Flüchtlingslager und schauen Sie sich die Kinder an, die um ihre toten Eltern weinen, schauen Sie sich die Syrer in unseren Krankenhäusern an, die beide Beine verloren haben.“

Davutoglu hoffe, dass es sich dabei nicht um die Meinung der Journalistin gehandelt habe. Die Syrien-Krise sollte eigentlich nur ein Randthema beim diesjährigen G20-Gipfel in Russland sein. Schon im Vorfeld war ein möglicher Militärschlag allerdings das entscheidende Thema. Die Türkei ist dabei der stärkste Verfechter einer Intervention. Anders als die USA fordert die Türkei mehr als einen begrenzten Vergeltungsschlag (mehr hier).

Auch von den USA wird erwartet, dass sie auf dem G20-Gipfel für einen Militärschlag werben. Putin hatte allerdings erneut den Giftgasvorwurf als nicht haltbar bezeichnet. Nur im Fall eines solchen Vergehens will er sich an einer Intervention beteiligen.

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