Islamisches Bankensystem profitiert von türkischen Mega-Projekten

Der Bankensektor mit islamkonformen Anlagemöglichkeiten kann beim bevorstehenden Bau von Brücken, Kanälen und Flughäfen entscheidender Geldgeber sein. Führende Vertreter des türkischen Finanzmarktes sind optimistisch gestimmt.

Die ehrgeizigen türkischen Infrastrukturprojekte sollen zu einem großen Teil mit islamischen Finanzprodukten finanziert werden. Große Vorhaben wie der Kanal Istanbul oder eine weitere Brücke über den Bosporus sind besonders gut für sogenannte Sukuks, islamkonforme Anleihen, geeignet, so der Vorsitzende der Istanbuler Börse, İbrahim Turhan. Auf der Islamic Finance News Roadshow an der Istanbuler Börse zeigten sich führende Vertreter des türkischen und islamischen Finanzmarktes zuversichtlich.

Das Interesse des privaten (Bau-)Sektors an Sukuks würde sich angesichts der gigantischen Infrastrukturprojekte erhöhen, sagt Vahdettin Ertaş, Vorsitzender der türkischen Kapitalmarktaufsicht (mehr hier). Die türkische Regierung hat 2012 die rechtliche Grundlage für den Handel mit islamischen Anleihen, Sukuks, geschaffen. Derzeit sind Sukuk-Anleihen des türkischen Staates im Wert von fünf  Milliarden Dollar emittiert, Sukuks des privaten Sektors haben ein Volumen von 1,5 Milliarden Dollar.

Bis zum Ende dieses Jahres wollen die Bank Asya und die Albaraka Türk Bank zusätzlich Sukuks im Wert von 65 Millionen bzw. 200 Millionen Dollar herausgeben. Das berichtet die Hürriyet.

Sukuks sind risikoarme, mit dem Zinsverbot vereinbare Anlagen

Im Islam gilt das Zinsverbot. Streng gläubige Muslime, hauptsächlich aus den Golfstaaten, investieren ihr Geld daher in islamische Banken. Diese legen das Geld in Produkten an, die zwar keine Zinserträge einbringen, aber über Umwege einen zinsähnlichen Gewinn aus dem Anlagekapital schlagen (mehr hier).

Dafür werden sogenannte Sukuks, beispielsweise vom türkischen Staat ausgegeben. Anleger kaufen Anteile dieser Sukuks und erhalten dafür Nutzungsrechte an einem Gegenwert, wie zum Beispiel Staatsimmobilien oder eben Straßen, Flughäfen oder dem Kanal Istanbul. Der Staat mietet die Straßen von den Anteilseignern zurück und zahlt damit indirekt die Zinsen für die ursprünglich ausgegebenen Anleihen. Nach Ablauf der Laufzeit kauft der Staat die Straßen für den ursprünglichen Preis wieder zurück und tilgt damit seine „Schulden“. Das Prinzip der Gewinnbeteiligung funktioniert auch mit Aktien oder anderen Vermögenswerten. Damit umgehen Sukuks den verbotenen Zins, versprechen aber eine sichere Anlage mit Gewinn.

Die Branche solcher islamkonformer Finanzprodukte wuchs in den vergangenen zehn Jahren weltweit um rund 15 Prozent. In mittlerweile 70 Staaten wird mit Sukuks und ähnlichen Produkten gehandelt, hauptsächlich in der Golfregion und Nordafrika. Ihr Erfolg ist auch auf ihre relative Immunität gegen Krisen zurückzuführen, denn von der globalen Finanzkrise waren islamkonforme Produkte kaum betroffen. Im Februar weitete die türkische Regierung die Anlagemöglichkeiten für islamkonforme Finanzprodukte auf dem Markt für Pensionsfonds aus.

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