UN warnt vor Militärschlag gegen Syrien, Russland vor Angriff auf Chemiewaffendepots

UN-Generalsekretär Ban ki-Moon warnt vor einem Militärschlag in Syrien. Die humanitäre Lage in den Flüchtlingscamps verschärft sich angesichts ausbleibender Spenden. Das russische Außenministerium mahnt derweil vor einem „wahnsinnigen“ Angriff auf syrische Chemiewaffen-Einrichtungen.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon erneuert sein Plädoyer gegen einen Militärschlag und für eine politische Lösung des Konfliktes in Syrien. Die humanitäre Katastrophe dort verschärfe sich in einem historisch „beispiellosem“ Ausmaß. In libanesischen und jordanischen Flüchtlingslagern würden die Nahrungsmittel immer knapper, weil Hilfsgelder fehlten. Die finanzielle Lage sei so dramatisch, dass die UN im Oktober ihre Hilfsleistungen nur noch ausgewählten Lagern zur Verfügung stellen könne. Unterdessen warnt das russische Außenministerium die USA vor einem „wahnsinnigen“ Angriff auf Chemiewaffendepots der syrischen Armee.

„Ich muss vor einer unbedachten Militäraktion, die ernsthafte und tragische Konsequenzen hätte, warnen. Sie würde die Gewalt unter den verfeindeten Gruppen vermehren. Während viele Syrer fliehen, beteiligen sich andere Syrer an den Kämpfen. Eine weitere Militarisierung muss aber verhindert werden“, so Ban Ki-moon am Rande des G-20 Gipfels, so Al-Jazeera. Die Großmächte USA und Russland müssten die diplomatische Blockade überwinden. Mittlerweile sind ganze sieben Millionen Syrer auf der Flucht, was ein Drittel der Landesbevölkerung darstellt.

UN-Hilfsmissionen geht das Geld aus

Die UN-Hilfsmissionen müssen ab Oktober ihre humanitäre Hilfe in Flüchtlingslagern einschränken, weil internationale Spenden fehlen. 200.000 syrische Flüchtlinge im Libanon könnten dann nicht mehr mit Nahrungsmitteln versorgt werden. „Wenn wir nicht mehr Spenden bekommen, werden wir nicht in der Lage sein, die Flüchtlinge zu versorgen, die schon in den Camps sind, ganz zu schweigen vom möglichen Flüchtlingsansturm, wenn es eine Intervention geben sollte“, sagt Roberta Russo, Sprecherin des UNHCR-Flüchtlingsprogramms.

Der südkoreanische UN-Generalsekretär ruft nicht zum ersten Mal zu einer diplomatischen Lösung auf. Dass seine Worte erneut folgenlos verhallen, scheint angesichts der militärischen Entschlossenheit der USA, Frankreichs und der Türkei sehr wahrscheinlich zu sein. Premierminister Erdogan fordert gar von den USA eine Intervention im Stile des Kosovo-Einsatzes der NATO (mehr hier).

Indes warnt das russische Außenministerium die USA vor einem Militärschlag auf syrische Chemiewaffendepots. Es würde die Gefahr von Emissionen hochtoxischer chemischer Kampfstoffe mit den daraus resultierenden Folgen für die Zivilbevölkerung und die Ökologie entstehen. „Außerdem darf man nicht ausschließen, dass infolge einer derart wahnsinnigen Aktion Aufständische und Terroristen den Zugang zu chemischer Munition bzw. chemischen Kampfstoffen erhalten würden“, so eine Stellungnahme des russischen Außenministeriums, wie Ria Novosti berichtet.

Mehr zum Thema:

US-Militärschlag gegen Syrien: Obama verliert Rückhalt im Kongress
UN: Zahl der syrischen Flüchtlinge überschreitet Zwei-Millionen-Marke
Syrien-Konflikt: Erdoğan fordert ein zweites Kosovo von den USA

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.