Türkei: Grenzübergänge zu Syrien außer Kontrolle

Die Situation an der türkisch-syrischen Grenze hat sich verschärft. Verbotene Gruppierungen nutzen die anhaltenden Flüchtlingsströme von Syrien in die Türkei aus, um ebenfalls unbemerkt ins Land zu gelangen. Daneben steigt das Risiko ethnischer Konflikte ebenso wie das Schmuggelvolumen.

Das Gouverneursbüro in der südosttürkischen Provinz Şanlıurfa zeichnet ein düsterers Bild von der Lage an der türkisch-syrischen Grenze. Der Grenzübergang im Bezirk Akçakale sieht sich seit enigen Tagen mit einem erhöhten Aufkommen syrischer Flüchtlinge konfrontiert. Die Menschen fliehen vor den Unruhen in Rakka. Mittlerweile ist die Lage jedoch unüberschaubar geworden, warnt das Büro in seinem Report an die Generaldirektion für Sicherheit.

Aufgrund der Überlastung und Staus ist der Grenzübergang unkontrollierbar geworden, heißt es. Es sei nicht möglich, alle Pässe und das sonstige Gepäck der Leute ausreichend zu checken, so die türkische Zeitung Hürriyet. Zwar sei der Grenzübergang Akçakale bereits modernisiert worden, diese Maßnahmen würden nun allerdings nicht ausreichen. Offen wird in Anbetracht der massiven Flüchtlingsströme von einer Sicherheitslücke gesprochen. Das vorhandene Personal sei gar nicht in der Lage, alle Ausweise einzusehen, die nötigen Bilder anzufertigen und Leibesvisitationen adäquat vorzunehmen. In der Vergangenheit hatte die Türkei Grenzübergänge bereits geschlossen (mehr hier).

Erhöhtes Schmuggelaufkommen an türkisch-syrischer Grenze

Erschwerend kommt hinzu: Die Flüchtlingslager in Akçakale und Harran sind bereits randvoll. Die Folge: Die Menschen, die jetzt aus Syrien ins Land strömen, ziehen weiter und verbreiten sich mit der Hilfe von Verwandten unkontrolliert auf türkischem Terrain. Damit einher gehe auch ein erhöhtes Schmuggelaufkommen an der Grenze. Verstärkt gelangen Waffen, Tiere, Haschisch, und Lebensmittel in die Türkei. Insgesamt hat der syrische Konflikt bereits mehr als zwei Millionen Flüchtlinge hervorgebracht (mehr hier).

Mit der unzureichenden Sicherheitssituation geht für das Gouverneursbüro auch eine erhöhte Terrorgefahr einher. Mitglieder der Terrororganisation PKK und ihre Anhänger würden sich die Lage am Grenzübergang Akçakale bereits zunutze machen. Immerhin lägen die Provinzen Resulayn und Kobani in unmittelbarer Nähe. Und genau hier sei die der PKK nahestehende Gruppierung PYD aktiv. Darüber hinaus stünden einige Institutionen in Syrien unter der Kontrolle von PKK-Mitgliedern. Es sei also entsprechend leicht für Terroristen an offizielle Papiere zu gelangen.

Daneben gibt es Bedenken hinsichtlich der Risiken eines möglichen Konflikts zwischen arabischen und kurdischen Gemeinschaften in Sanliurfa, wo verwundete syrische Rebellen in den Krankenhäusern der Stadt behandelt werden. Auch der syrische Geheimdienst El Muhabarat soll ein Auge auf die Lage am betroffenen Grenzübergang haben und nutze die Situation aus, um leichter Informationen in der Türkei sammeln zu können.

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