Syrien: Mehrheit der Türken gegen eine Intervention

In der Syrienfrage steht das türkische Volk nicht hinter Premier Recep Tayyip Erdoğan. Während der auf dem jüngsten G20-Gipfel Verbündete für einen Syrien-Angriff suchte, hält die Mehrheit seiner Bürger gar nichts von einem solchen Vorgehen. US-Präsident Obama zeigt sich derweil fest entschlossen. Am Dienstag will er eine Syrien-Erklärung abgeben.

Die Mehrheit der türkischen Bevölkerung lehnt einen möglichen Militärschlag gegen das benachbarte Syrien ab. Damit sind sie auf einer Linie mit dem US-amerikanischen Volk sowie Teilen der europäischen Bevölkerung, nicht aber mit ihrem Premier  Recep Tayyip Erdoğan. Der steht fest an der Seite der USA und Frankreichs.

Wie der so genannte Transatlantic Trends 2013 hervorbrachte, sind 72 Prozent der befragten Türken der Ansicht, dass sich ihr Land aus dem Syrien-Konflikt heraushalten sollte. Das sind 15 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Auf der anderen Seite sprechen sich nur 21 Prozent für eine Intervention aus. Das entspricht einem Rückgang um elf Prozentpunkte gegenüber 2012. Durchgeführt wurde die Befragung vom German Marshall Fund of the United States (GMF) zwischen dem 3. und 27. Juni.

Bei der Befragung ging es dementsprechend nicht um den vermeintlichen Giftgasangriff am 21. August durch das syrische Regime. Vorausgesetzt wurde der Antwort die militärische Gewalt der Regierung gegen die Opposition. Gefragt wurde in diesem Zusammenhang dann, ob die eigene Regierung sich komplett heraushalten oder eingreifen sollte.

Zwei-Drittel der Europäer gegen ein Eingreifen

Abgesehen von der Türkei wurden elf Mitgliedsstaaten der Europäischen Union befragt: Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlande, Polen, Portugal, Rumänien, die Slowakei, Spanien, Schweden und Großbritannien sowie die Vereinigten Staaten. Die Ablehnung der Amerikaner hatte auch eine Umfrage des Pew Centers deutlich gezeigt (mehr hier). Auch im Rahmen der GMF-Umfrage sagten Zwei-Drittel der US-Bürger Nein zu einer Militär-Intervention. Immerhin sieben Prozent mehr als noch 2012. Insgesamt sprachen sich fast Drei-Viertel der Europäer gegen ein solches Vorgehen aus. Mit 72 Prozent sagen hier 13 Prozent mehr als noch 2012 Nein zu einem Eingreifen des Westens.

Auf der anderen Seite sprachen sich 30 Prozent der US-Amerikaner dafür aus, dass ihr Heimatland eingreifen sollte. Fünf Prozent weniger als 2012. Und noch weniger in Europa: Hier befürworten nur 22 Prozent diesen Schritt. Ganze zehn Prozent weniger als im Vorjahr.

Demokratie ist wichtiger als Stabilität

In einer separaten Frage über die jüngsten Entwicklungen in Nordafrika und dem Nahen Osten, wurden die Teilnehmer der Umfrage gebeten, zwischen zwei Positionen wählen: „Stabilität ist wichtig, auch wenn es die Annahme nicht-demokratischer Regierungen bedeutet“ oder „Demokratie ist wichtiger, auch wenn es zu einer Phase der Instabilität führt“. 58 Prozent der Europäer und 47 Prozent der Amerikaner zogen hier die Demokratie der Stabilität vor. Auch die Mehrheit der türkischen Befragten, 57 Prozent, bevorzugten Demokratie in Nordafrika und dem Nahen Osten. 25 Prozent erachteten Stabilität für wichtiger. 18 Prozent waren unentschlossen.

Der türkische Premier Erdoğan nutzte den G20-Gipfel in Russland aktiv, um Verbündete für einen Syrienangriff zu finden (mehr hier). Russlands Präsident Wladimir Putin hatte genau Gegenteiliges im Sinn. Er fromierte eine Allianz gegen eine mögliche Intervention, der sich China, Indien, Indonesien, Brasilien, Südafrika und Italien anschlossen. Deutschland entschloss sich erst im Nachhinein die Forderung nach einer „starken internationalen Antwort“ auf den angeblichen Chemiewaffen-Einsatz durch Syrien zu  unterzeichnen (mehr hier). Die Hoffnung Obamas, auf dem Gipfel der 20 führenden Industrie- und Schwellenstaaten vollständige Rückendeckung für einen Angriff auf Syrien zu erhalten, wurde jedoch zerschlagen. Für Dienstagabend kündigte der US-Präsident eine Rede an das amerikanische Volk an. Ein Einschreiten in Syrien solle kein zweiter Irak oder Afghanistan werden. Das Eingreifen solle in Zeit und Umfang begrenzt sein.

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