Aus der Traum von Olympia 2020: Istanbul muss sich gegen Tokio geschlagen geben

Knapper ging es nicht. Am Abend musste sich Istanbul im Rennen um die Olympischen Spiele 2020 gegen Tokio geschlagen geben. Mit-Konkurrent Madrid schied schon einige Stunden zuvor aus. Für die türkische Megacity war es bereits der fünfte Versuch, die wichtigsten Wettkämpfe der Welt in die Türkei zu holen.

Am Ende war es ein Kopf an Kopf Rennen. Madrid, Tokio oder Istanbul? Am ersten Tag der IOC-Vollversammlung im argentinischen Buenos Aires stand gleich eine der wichtigsten Entscheidungen an. Welche Metropole erhält den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2020? Mit Spannung dokumentierten die türkischen Medien den Wahlprozess. Mögliche Schattenseiten eines Zuschlags für die türkische Megacity wurden ausgeblendet. Am Ende zerplatzte der Traum auf den letzten Metern.

Gegen 22.25 Uhr (MEZ) verkündete schließlich der scheidende IOC-Präsident Jacques Rogge die Entscheidung. Istanbul muss sich gegen Tokio geschlagen geben, berichtet die Hürriyet nur Minuten später. Tokio war bereits Gastgeber der Sommerspiele 1964. Überzeugt haben die Japaner offenbar mit ihrem Spielstättenkonzept. So gut wie alle Arenen liegen in einem engen Umkreis von nur acht Kilometern rund um das Olympische Dorf. Auch die finanzielle Sicherheit schien ausschlaggebend zu sein. Gestützt wurde die Kandidatur auf einen fest angelegten Reserve-Fonds. Dieser beträgt sagenhafte 4,5 Milliarden Dollar

Erdoğan persönlich in Buenos Aires vor Ort

Am Abend der Entscheidung wurden auch in der Türkei die Daumen gehalten. Über riesige Bildschirme an neun verschiedenen Ecken von Istanbul, darunter auch auf dem Sultanahmet-Platz, direkt neben der Hagia Sophia und der Blauen Moschee, fieberte die Bevölkerung mit.

Alle drei Städte konnten sich am Samstagmorgen noch einmal in einer 45-minütigen Schau präsentieren. Istanbul hatte sich bereits zum fünften Mal um die Spiele beworben und musste nun als erstes erneut überzeugen, berichtet die Zaman. In Buenos Aires zugegen ist auch der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan. In Anbetracht des Syrien-Konfliktes in der direkten Nachbarschaft stellte er vor der Wahl noch einmal heraus, was für eine starke und bedeutungsschwangere Botschaft ein Zuschlag für die türkische Stadt wäre. Es gehe um den „Geist der Freundschaft, des Teilens und des Friedens“, so Erdoğan.

Dann gab es das erste Ausscheiden: Spanien kann die 125. IOC-Vollversammlung nicht überzeugen. Die spanische Hauptstadt verlor die Stichwahl gegen Istanbul. Die türkische Millionenstadt zog darauf hin mit der absoluten Mehrheit von 49 Stimmen ins Finale. In einer zweiten Runde traten Tokio und Istanbul dann noch einmal gegeneinander an. Die Hoffnungen, erstmals die wohl wichtigsten sportlichen Wettkämpfe der Welt auszutragen wurden auf ein Neues genährt.

Istanbul setzt auf Jugend und Emotion

In Buenoes Aires setzte das türkische Team den Akzent auf die junge, türkische Bevölkerung. Olympia sei eine große Chance für die Region, für die Olympische Bewegung und für die Jugend der Region, so Istanbul 2020 Vorsitzender Hasan Arat bereits im Vorfeld. Immerhin sei die Hälfte der türkischen Bevölkerung unter 25 Jahre alt. Insgesamt wurde versucht, die Entscheidungsträger über die emotionale Komponente zu überzeugen, berichtet die türkische Hürryiet. Erstmals würden die Spiele in einem muslimischen Land und dazu noch auf zwei Kontinenten ausgetragen.

Olympia 2020: Fluch oder Segen?

Ob der Zuschlag für die Olympischen Spiele 2020 als Fluch oder Segen hätte betrachtet werden können, darüber schieden sich in den vergangenen Monaten die Geister. Wenn es nach der Türkei gegangen wäre, wäre der schon viel früher erfolgt. Das Land signalisierte auf allen Kanälen: Wir sind bereit. Doch die Medaille hat auch hier eine Kehrseite. Zwar lief beim jüngsten Gastgeber London im Sommer 2012 alles glatt, nachhaltig vom sportlichen Mega-Event profitieren konnte man allerdings nicht (mehr hier). Nichtstdestotrotz: Die türkische Bevölkerung stand so gut wie geschlossen hinter der Kandidatur Istanbuls für die Spiele im Jahr 2020. Die Zustimmung sei weder in Madrid noch in Tokio derart hoch so der Chef der Bewerbungskommitees noch in diesem Frühjahr (mehr hier).

Auch für Istanbul hätte das Sport-Spektakel am Ende zur Belastungsprobe werden können. So warnte der deutsche Sportjournalist Jens Weinreich bereits Anfang des Jahres: „Jacques Rogge war 2001 mit dem Versprechen angetreten, die Olympischen Spiele bezahlbarer und nachhaltiger zu machen. Auch mit diesem Vorhaben ist er gescheitert.“ Denn in seiner Ära stünden Athen (Sommer 2004), Peking (Sommer 2008), Sotschi (Winter 2014) und Rio de Janeiro (Sommer 2016) für olympischen Gigantismus. Allenfalls in Vancouver (Winter 2010) und mit großen Abstrichen in London (Sommer 2012) sei nachhaltig agiert worden. „(…) selbst in London begann alles mit einer großen Lüge über die Kosten, als die Regierung in der Bewerbungsphase ein entsprechendes Gutachten verheimlichte.“

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