Schicksal ungewiss: Familien der entführten Turkish Airlines-Piloten am Boden zerstört

Einen Monat nach der Entführung zweier Turkish Airlines-Piloten in Beirut haben sich deren Familien nun erneut an die türkischen Behörden gewandt. Die Bemühungen um ihre Freilassung müssten intensiviert werden. Die Angehörigen sind in höchster Sorge. Von Seiten der Regierung gibt es keine aktuellen Nachrichten über das Schicksal der beiden Männer.

Eine der letzten offiziellen Nachrichten über den Verbleib der zwei im Libanon entführten Piloten der türkischen Fluggesellschaft Turkish Airlines (THY) liegt fast drei Wochen zurück. Der stellvertretende türkische Premier Bülent Arınç gab am 20. August Entwarnung. Murat Akpınar und Murat Ağca seien am Leben. Seither gibt es allerdings keine Neuigkeiten. Für die Familien der Entführungsopfer ein unthaltbarer Zustand. Doch dieser scheint Methode zu haben.

„Die Geduld der Leute hat ihre Grenzen“, zitiert die türkische Zaman İrfan Akpınar. Wie der Bruder von einem der Piloten dem Blatt erklärt, seien die Angehörigen mittlerweile mit ihren Nerven völlig am Ende. Seit dem 9. August sind die Männer verschwunden. Wesentliche Fortschritte hätte es seither nicht gegeben. Nun müsse das türkische Außenministerium so schnell als möglich eine Lösung finden.

Türkische Behörden halten sich bedeckt

Neben Arınç meldete sich Ende August auch der libanesische TV-Sender LBC mit Bildern und Tonaufnahmen der Entführten. Die Piloten erklärten, in guter gesundheitlicher Verfassung zu sein und auf ihre Befreiung zu warten. Doch was bisher tatsächlich geschehen ist, um die Männer aus ihrer misslichen Lage zu retten, scheint unklar. Immer wieder heißt es, es bestünden intensive diplomatische Kontakte. Über Details halten sich die diplomatischen Kreise auch auf Nachfrage des Blattes hin allerdings bedeckt.

Nach Ansicht des Vorsitzenden des Vereins für Menschenrechte und Solidarität mit den Unterdrückten (Mazlum Der), Ahmet Faruk Ünsal, hänge die aktuelle Situation direkt mit der Haltung der türkischen Regierung gegenüber dem syrischen Regime zusammen. Seit Beginn der Aufstände im März 2011 habe Ankara eine harte Linie gegen den einstigen Verbündeten gefahren, die mit jedem weiteren Blutvergießen immer strikter wurde. Um weitere Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verhindern, drängt die türkische Regierung darauf, Assad aus dem Weg zu räumen. Bisher allerdings ohne durchschlagenden Erfolg (mehr hier).

Zu viel Information: Sicherheit der Piloten wäre in Gefahr

„Aufgrund der politischen Situation erhält Ankara keine soliden Informationen über die entführten Piloten in Beirut. Folglich kann die [ türkische ] Regierung der Öffentlichkeit nicht mehr mitteilen , da sie nichts mitzuteilen hat“, so Ünsal. Die türkische Diplomatie argumentiert hier jedoch ganz anders. Erstens handle es sich um ein hoch sensibles Thema. Zweitens wolle man die Sicherheit der Männer nicht gefährden, berichtet die Zeitung weiter. Kritisiert wird diese Vorgehensweise im Falle von Entführungen jedoch nicht zum ersten Mal. Schon in der Vergangenheit waren die Informationen rar gesät. Einzelne Details gab es meist nur aus den Medien, oftmals erst nach der Freilassung der Opfer. Ein gefundenes Fressen für Verschwörungstheoretiker.

Ein viel größeres Problem als der mangelnde Informationsfluss gen Öffentlichkeit ist nach Einschätzung von Oğuz Kaan Pehlivan von der International Strategic Research Organization (USAK) jedoch die fehlende Expertise bei internationalen Entführungsfällen. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema gebe es nicht. Dementsprechend begrenzt sei das Wissen der Beamten darüber, was in solchen Fällen zu tun sei.

Türkische Regierung verhandelt nicht über Lösegeld

Von 2002 bis Juni 2013 wurden 158 türkische Staatsbürger im Ausland entführt und später wieder freigelassen, so das türkische Außenministerium im vergangenen Juli. Die türkische Regierung verhandle grundsätzlich nicht über ein Lösegeld. Um die Freilassung ihrer Bürger im Ausland zu erwirken, trete sie in Kontakt mit den Behörden des jeweiligen Landes (mehr hier).

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