Katzenjammer um Olympia: Istanbul verliert drei Milliarden Dollar an Besuchereinnahmen

Die Absage der IOC-Vollversammlung an Istanbul am Samstagabend traf die Stadt nicht nur emotional. Die Olympischen Spiele hätten der Bosporusmetropole voraussichtlich auch ordentliche Einnahmen durch zusätzliche Touristenströme bescheren können. Derzeitige Schätzungen gehen davon aus, dass der Stadt nun Besuchereinnahmen von gut drei Milliarden US-Dollar durch die Lappen gegangen sind.

Die Enttäuschung stand der türkischen Delegation in Buenos Aires förmlich ins Gesicht geschrieben. Und auch die Bürger in Istanbul waren nach der Stichwahl gegen Tokio entsetzt. Auf zahlreichen Großleinwänden hatten sie den Auftakt der IOC-Vollversammlung mitverfolgt. So knapp wie nie zuvor schrammte die Stadt bei ihrem fünften Versuch am Zuschlag für die Olympischen Spiele vorbei. Nach zwei Jahren intensiven Engagements ist die Absage jedoch nicht nur ein emotionaler Schlag in die Magengrube, sondern auch wirtschaftlich betrachtet.

Olympia 2020: 2,5 Millionen zusätzliche Gäste

Mit dem Nein an Istanbul haben sich auch die damit verbundenen Hoffnungen zerschlagen, dass die internationalen Wettkämpfe zusätzliche Touristenströme in die Türkei locken könnten. Denn: Schon im Vorfeld war klar, dass vor allem der Tourismussektor immens von den Spielen in der Türkei hätte profitieren können. In den vergangenen zehn Jahren gaben Touristen durchschnittlich 630 Dollar während ihres Aufenthaltes im Land aus. Fachleute schätzten, dass die Spiele 2020 mindestens 2,5 Millionen weitere Gäste angezogen hätten. Und diese hätten am Ende des Tages wahrscheinlich gut und gerne drei Milliarden US-Dollar im Land gelassen, berichtet die türkische Zaman.

Immerhin: Schon jetzt ist die Türkei das fünft meist besuchte Land mit insgesamt 35,7 Millionen Besuchern allein im Jahr 2012. Istanbul selbst gehört zu den sechs meist besuchtesten Städten der Welt (mehr hier). Rund zehn Millionen Menschen reisten im vergangenen Jahr in die Stadt. Tendenz steigend. Darüber hinaus hat die Metropole in der zurückliegenden Dekade massive Investitionen in die touristische Infrastruktur vorgenommen. Die Anzahl der Hotels und Kongresszentren, Handels-und Messezentren wurde mehr als verdoppelt. Insgesamt wurden allein zwischen 2004 und 2011 1,2 Milliarden Dollar in die Infrastruktur gepumpt. Besonderes Augenmerk galt und gilt nach wie vor einem der drängendsten Probleme: Dem Verkehrschaos (mehr hier).

Bemühungen Istanbuls kamen nicht beim IOC an

Das türkische Olympia-Komitee sicherte bis 2016 den Bau von 25 neuen Sportanlagen durch lokale Unternehmen zu. Im Januar wurden Sponsorendeals mit sieben der führenden türkischen Unternehmen in Höhe von 20 Millionen Dollar präsentiert (mehr hier). Hätte Istanbul den Zuschlag erhalten, hätten sicherlich noch weitere Investoren Hunger auf die Megacity bekommen. Doch die gute Wirtschaftslage des Landes und die Lehren, die aus den vergangenen Bewerbungen für die Jahre 2000, 2004 , 2008 und 2012 gezogen wurden, waren offenbar nicht deutlich genug in Richtung IOC kommuniziert worden. Stattdessen rückte eine instabile politische Lage direkt vor der eigenen Haustür und zahlreiche Dopingfälle in der jüngsten Vergangenheit ins Zentrum der Betrachtungen (mehr hier).

Istanbul war am Samstag darauf vorbereitet, eine riesige Party zu zünden. Nun ist der Katzenjammer groß. Die Fahnen schwenkenden Menschen, die nach dem Ausscheiden von Madrid mehr Hoffnung denn je hatten, sind verstummt. Tokio besiegte Istanbul mit 60-36 in der letzten Runde der geheimen Abstimmung. Während es vor den Großleinwänden in Istanbul lange Gesichter gab, ermunterte Premier Recep Tayyip Erdoğan dazu, sich nun vor allem auf die sportlichen Erfolge während der Olympischen Spiele zu konzentrieren. Schade finde er allerdings, dass Tokio schon einmal die Chance gehabt hätte, die Spiele auszutragen. Ob sich die Stadt für 2024 oder 2028 bewerben wird, steht derzeit noch in den Sternen.

Touristen kehrten London den Rücken

Ein zumindest wirtschaftlicher Trost könnte jedoch die Bilanz der jüngsten Sommerspiele in London sein. Schon kurz nach dem Ende der Wettkämpfe war klar, die erhofften Touristenströme blieben hier aus. Teure Hotels und eingeschränkte Mobilität hatten während der Olympischen Spiele auf viele Touristen abschreckend gewirkt. Schon im Vormonat sank die Zahl der London-Besucher um fünf Prozent. Während der Wettkämpfe verkam die pulsierende Metropole in einigen Teilen gar zur Geisterstadt (mehr hier). Ein ökonomischer Erfolg soll Olympia nach Ansicht der britischen Regierung aber dennoch gewesen sein, zumindest langfristig.

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