Drama im Jemen: Zwangsheirat kostet Achtjährige das Leben

Ein achtjähriges Mädchen hat während ihrer Hochzeitsnacht derart schlimme Verletzungen davongetragen, dass sie daran gestorben ist. Beigebracht wurden ihr die inneren Blutungen von einem Mann, der fünfmal älter war als sie. Für den Täter und die Familie des Kindes werden nun lebenslange Haftstrafen gefordert.

Im Nordwesten des Jemen, nahe der Grenze zu Saudi Arabien, hat sich am vergangenen Samstag ein Drama zugetragen. Die achtjährige Rawan wurde in der Stadt Hardh mit einem 40-jährigen Mann verheiratet. Die Kleine wurde in der Hochzeitsnacht derart schlimm zugetragen, dass sie ihren Verletztungen erlag. Aktivisten fordern nun, dass ein Exempel statuiert wird.

Sowohl der aus Saudi Arabien stammende Bräutigam als auch die Familie des Mädchens müssten verhaftet und dafür vor Gericht zur Rechenschaft gezogen werden. Immerhin soll der Stiefvater der Kleinen für sie umgerechnet stolze 2024 Euro erhalten haben. Anders wäre dieser Praxis in der völlig verarmten Region nicht beizukommen, berichtet die Daily Mail. Zahlreiche Blogger zeigten sich über den Fall entsetzt. Den Täter bezeichneten sie als Tier. Die Familie des Mädchens würde es eigentlich nicht verdienen, Kinder zu haben.

Frühe Verheiratung in ländlichen Gebieten gängig

Auf der anderen Seite wurden jedoch auch Stimmen laut, die zumindest teilweise Verständnis aufbrachten. Allerdings kritisierten auch sie, dass Eltern und Bräutigam mit der Vermählung noch etwas hätten warten können. So etwas hätte nicht geschehen dürfen. Auch, wenn es in einigen Stämmen so Brauch sei.

Die Verheiratung sehr junger Mädchen ist im Jemen weit verbreitete Praxis. Dieser Umstand zog in der Vergangenheit immer wieder die Aufmerksamkeit internationaler Menschenrechtsgruppen an. Es gab auch Versuche, die Regierung unter Druck zu setzen, um so endlich eine Ächtung von Kinderehen zu erreichen. Den Bemühungen entgegen stehen jedoch die bittere Armut der Bevölkerung. Oftmals sind die Familien schlicht nicht in der Lage, die geforderte Mitgift von nicht selten mehreren Hundert Dollar für eine junge Frau zu bezahlen. Auch Stammesglauben spielt nach wie vor eine große Rolle. Noch immer herrscht die Überzeugung, dass aus einer besonders jungen Braut eine gehorsame Ehefrau geformt werden könnte, die auch mehr Kinder zur Welt bringe.

Mehr als die Hälfte der Bräute unter 15 Jahren

Die Folge: Mehr als ein Viertel der jemenitischen Frauen heiraten bevor sie 15 Jahre alt sind. Das geht aus einem Bericht des Sozialministeriums aus dem Jahr 2010 hervor. Dabei war der Jemen schon einmal viel weiter. In der Vergangenheit galt bereits 15 Jahre als Mindestalter für die Ehe. Doch das Parlament erklärte das Gesetz in den 1990er Jahren für nichtig. Seither obliegt es den Eltern, die entscheiden sollen, wann eine Tochter heiratet. In Deutschland hat der Bundesrat Zwangsheirat 2011 zu einem eigenen Straftatbestand erklärt (mehr hier).

Trotz zahlreicher Kampagnen von vielen der weltweit größten Wohltätigkeitsorganisationen und NGOs, bleibt das Problem der Kinderbräute ein globales Anliegen. Derzeit gibt es rund 57,5 Millionen Kinderbräute weltweit, 40 Prozent davon werden in Indien verheiratet. 64 Prozent der Frauen dort werden vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet, das geht aus dem National Family Health Survey-3 hervor. In Afrika sind es ganze 42 Prozent der Mädchen. In Lateinamerika und der Karibik sind es 29 Prozent.

Bis 2020 rund 140 Millionen Kinderbräute

Doch die Sitation wird sich weiter verschärfen. Schätzungen zufolge wird die Zahl der Kinderbräute bis 2020 auf 140 Millionen Mädchen steigen. 18,5 Millionen von ihnen werden unter 15 Jahre alt sein. Statistiken zeigen, dass Mädchen, die in armen Haushalten leben, fast doppelt so häufig unter 18 heiraten, als Mädchen, die in Haushalten mit höherem Einkommen aufwachsen. Und Mädchen, die jünger als 15 Jahre sind, sterben auch fünf Mal häufiger bei der Geburt als Frauen in ihren 20ern.

2008 gelang es der kleinen Nudschud Ali sich selbst zu befreien. Vor einem Gericht in Sanaa gelang es der damals Zehnjährigen tatsächlich, ihre Scheidung durchzusetzen. Im September 2010 sorgte jedoch das Schicksal eines zwölfjährigen Mädchens für internationale Erschütterung. Volle drei Tage lag das Kind in den Wehen. Überlebt hat die Kleine diese Tortur am Ende nicht.

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