Olympia-Absage: Türkischer Sportminister will Reformprozess fortführen

Die überraschende Absage der IOC-Vollversammlung an Istanbul hat offenbar keine Lähmung der türkischen Ambitionen zur Folge. Wie Sportminister Suat Kılıç zusicherte, werde weiterhin an der Verbesserung der Infrastruktur für Sportler gearbeitet. Frust schwingt nach den Ereignissen von Samstag dennoch mit. Als Sündenbock wurden mal wieder die Medien auserkoren.

Die Entscheidung des IOC fiel am vergangenen Samstag denkbar knapp aus. In einer Stichwahl setzte sich Tokio gegen Istanbul durch und erhielt den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2020. Die Niederlage von Buenos Aires tut den türkischen Ambitionen aber offenbar keinen Abbruch. Bei der eigenen Nase fassen wollen sich die Verantwortlichen aber trotzdem nicht. Für sie haben die Medien das Versagen mit zu verantworten.

Priorität Athletenförderung

„Unsere Kandidatur für die Olympischen Spiele ist zu Ende. Doch die Türkei wird weiterhin ihren Glauben an den olympischen Geist schützen und stärken“, so Sportminister Suat Kılıç in einem ersten Statement zur Presse. Die vor der Entscheidung angekündigten Pläne, künftig strikter gegen Dopingsünder vorzugehen, würden beibehalten (mehr hier). Wenn nötig, würden neue Gesetze installiert, die nicht nur eine Bestrafung der Athleten, sondern für jeden vorsehen, der irgendwie in die Dopingmaschinerie involviert sei.

Kurzfristige Erfolge oder Medaillen stünden hier nicht im Vordergrund, zitiert die Zaman den Minister. Für die türkische Regierung sei Sport ein wichtiges Instrument , um sicherzustellen, dass Millionen [von Kindern und Jugendlichen] zu gesunden Personen aufwachsen würden. Priorität Nummer eins wäre es daher nach wie vor, die Türken zu einer Sportnation gedeihen zu lassen. Im Vorfeld der Wahl war die Unterstützung der türkischen Bevölkerung für die Olympischen Spiele immens. Schon jetzt seien 776 größere Sportprojekte in vollem Gange, so Kılıç. Die Förderung der Athleten stünde auch jetzt an oberster Stelle.

Türkische Medien berichten zu viel über Gezi-Proteste

In den Augen des türkischen Premier Recep Tayyip Erdoğan sei die Wahl des IOC am Wochenende unfair verlaufen. Damit hätte man der muslimischen Welt den Rücken zugekehrt, so Erdoğan am Montag. Nichtsdestotrotz sollte die Entscheidung natürlich respektiert werden. Dank sprach er nicht nur der türkischen Bevölkerung, sondern insbesondere den Nutzern Sozialer Medien für ihre Unterstützung aus.

Diese haben sich offenbar völlig konträr zur sonstigen türkischen Medienlandschaft verhalten. Denn für Suat Kılıç ist unterdessen klar, wo die Schuldigen für die Misere vom Wochenende zu suchen sind. Die türkischen Medien hätten seiner Ansicht nach die Vision der Regierung nicht vehement genug unterstützt, berichtet die türkische Hürriyet. Unter anderem in Bezug auf die Gezi-Park-Proteste hätten sie völlig übertrieben. In Japan oder Spanien hätte es keine Berichterstattung gegeben, die das eigene Land negativ dastehen ließe, glaubt der Minister zu wissen. Eine solche Kritik und die damit einhergehende Einmischung in die Belange der türkischen Presse sind jedoch nicht neu. Auch der Premier zieht die hiesigen Journalisten gern als Sündenbock heran (mehr hier).

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