Noch kein Weg aus der Krise: Türkische Wirtschaft atmet kurzfristig auf

Die türkische Wirtschaft übertrifft die Wachstumsprognosen im zweiten Quartal des Jahres. Doch das Wachstum beruht nicht etwa auf mehr Exporten, sondern auf steigendem Konsum der Haushalte und staatlichen Investitionen. Das Leistungsbilanzdefizit verbessert sich dadurch nicht.

Das türkische Wirtschaftswachstum hat zwischen März und Juli diesen Jahres um 4,4 Prozent zugelegt. Das sind 1,3 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2012. Dabei lagen die Prognosen für das zweite Quartal zwischen 3,5 und 4,2 Prozent. Ausschlaggebend für den Zuwachs waren hauptsächlich der inländische Konsum und Staatsausgaben. Doch ein Weg aus der Krise bahnt sich damit noch lange nicht an. Die steigende Nachfrage im Inland treibt das Leistungsbilanzdefizit nur noch weiter in die Höhe.

Das Türkische Amt für Statistik (TÜIK) hat am Dienstag in einer Mitteilung die aktuellen Kennwerte der türkischen Wirtschaft veröffentlicht. Demnach stieg der private Konsum der türkischen Haushalte im zweiten Quartal um 5,3 Punkte und setzt damit den Trend eines anziehenden Konsums aus dem ersten Quartal fort. Dass ein beträchtlicher Teil des türkischen Konsums auf Kreditkartenschulden aufbaut, hat sogar Auswirkungen auf die Scheidungsrate (mehr hier).

Die Binnennachfrage ist seit Beginn des wirtschaftlichen Aufschwungs ein Hauptfaktor für das türkische Wachstum. Entsprechend wuchsen die Importe, natürlich auch von Konsumartikeln, um ganze 11,7 Prozent. Im ersten Quartal nahmen die Importe um 7,1 Prozent zu. Die Exporte hingegen brachen ein. Sie konnten nur um 1,2 Punkte zulegen. Trotz dieser Nachricht wird Wirtschaftsminister Zafer Çağlayan die Wachstumsprognose für das gesamte Jahr nicht korrigieren, so die Hürriyet.

Die öffentlichen Ausgaben trugen wesentlich zum unerwarteten Wachstum bei. Sie stiegen um 7,4 Prozent. Doch 307 Milliarden Dollar Auslandsschulden lasten dem aktuellen Bericht der Weltbank zufolge bereits auf dem türkischen Staatshaushalt. Die kurzfristigen Kredite übersteigen die Devisenreserven um 150 Prozent. In keinem anderem Schwellenland steigt die Nettokreditaufnahme seit 2009 so an wie in der Türkei. Dadurch ist die Zahlungsfähigkeit der Türkei stark von ausländischen Geldgebern wie den USA, Saudi-Arabien und der EU abhängig.

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