Angst um die Sicherheit: Britische College-Studentinnen müssen ihre Gesichtsbedeckung ablegen

Am Birmingham Metropolitan College müssen junge Muslima künftig auf eine Bedeckung ihres Gesichtes verzichten. Begründet wird die Maßnahme mit Sicherheitsbedenken. Nur so könnten Individuen jederzeit eindeutig identifiziert werden. Die Reaktionen auf den Vorstoß sind gemischt. Nicht alle Muslime schwingen nun die Diskriminierungskeule.

Muslimischen Schülerinnen am Birmingham Metropolitan College ist das Tragen einer Vollverschleierung künftig untersagt. Den Schülern wurde mitgeteilt, dass sie alles abzulegen hätten, was ihr Gesicht bedecke. Das betrifft auch Kleidungsstücke wie zum Beispiel Mützen. Die Argumentation der Schulleitung: Die Personen auf dem Gelände müssten „zu jeder Zeit leicht erkennbar“ sein. Unter den Schülern sorgt die neue Regelung für gemischte Reaktionen. Während die einen den Schritt nachvollziehen können, bezeichnet ihn die Gegenseite gar als „ekelhaft“.

Überrascht wurden die Schüler mit den neuen Vorschriften in der vergangenen Woche, als das College wieder begonnen hatte. Neben der kompletten Verschleierung wurden auch Hüte und Kapuzenpullis untersagt. Das Verbot des so genannten Niqabs, eines Schleiers, der lediglich einen dünnen Spalt für die Augen lässt, hat nun jedoch dazu geführt, dass sich manch Schülerin an einem anderen College eingeschrieben hätte. Das berichtet die britische Daily Mail.

Vorwurf: Einschränkung der Freiheitsrechte

Dem Blatt zufolge, fühlten sich einige junge Frauen dadurch in ihren Freiheitsrechten eingeschränkt und diskriminiert. Alternativen seien ihnen nicht angeboten worden. Als Kompromiss hatten die Mädchen vorgeschlagen, den Sicherheitsleuten freiwillig ihr Gesicht zu zeigen. Doch das sei abgelehnt worden. Diejenigen, die weiterhin hier zur Schule gingen, fühlten sich äußerst unwohl. Schließlich seien sie an einem Ort, an dem vermeintlich ihr Glaube nicht respektiert werde. „Es ist eine persönliche Entscheidung und ich finde es absolut schockierend, dass so etwas in einem College in Birmingham, einer multikulturellen Stadt, in der viele Schüler Muslime sind, passiert“, so eine junge Frau, die lieber anonym bleiben will.

Einige Schüler sträuben sich unterdessen gegen den Generalverdacht, der damit gegen Muslime erhoben wird. Schließlich seien die jungen Menschen hier, um zu lernen und sicher nicht, um hier Bomben anzubringen. Andere geben jedoch zu, sich nun in der Tat sicherer zu fühlen. Vorher hätte man nicht gewusst, wer sich unter dem Schleier verberge. Man hätte nur die Augen gesehen. Auch die Kommunikation hätte sich so schwieriger gestaltet.

Nur Tage bevor die Einrichtung ihre Regelungen publik machte, wurde das Thema auch im britischen Parlament vom Abgeordneten Philip Hollobone angesprochen. Seiner Ansicht nach widerspreche eine Vollverschleierung einem „grundlegenden Teil der britischen Lebensart“. College-Direktorin Christine Braddock verteidigte unterdessen ihre Politik. Hier gehe es nur um die Sicherheit der Schüler. Dass sich durch die neue Regelung die Stimmung zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen verschärfen könnte, sieht die Schulleitung aber offenbar nicht (mehr hier).

Muslime müssen pragmatisch agieren

Zustimmung kommt hingegen von Omer El-Hamdoon. Der Präsident der Muslim Association of Britain rät den Damen sich mit der neuen Regelung anzufreunden. Man müsse hier pragmatisch sein, so El-Hamdoon. Wenn man mit dem Motorrad zur Bank fahre, würde man dort schließlich auch dazu aufgefordert, den Helm abzunehmen. Die Frage der eindeutigen Identifikation beschränkt sich seiner Ansicht nach nicht nur auf Sicherheitsfragen. Auch während der Prüfungen sei das unerlässlich. „Manche glauben, es geht gegen die Freiheit der Meinungsäußerung, aber sie sollten sich an die Regeln, die Teil der Gesellschaft sind, halten.“

In Russland wurde ein entsprechendes Verbot bereits vor einiger Zeit vom Obersten Gericht bestätigt. Es befand, dass Religionsfreiheit nicht an das Tragen religiöser Attribute gebunden sei (mehr hier).

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