Instabile Lage: Türkei droht schlechte Bonitätsnote

Die Ratingagentur Standard and Poor's sieht „signifikante Risiken" in der türkischen Wirtschaft. Diese können in Zukunft zu einer Abwertung führen. Sorgen bereiten das steigende Leistungsbilanzdefizit und die schwindende Nachfrage nach Krediten, infolge der Zinserhöhung.

Die amerikanische Ratingagentur Standard and Poor’s (S&P)warnt die Türkei vor einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit. Zwar hat S&P nicht die Bonitätsnote verändert. Doch in einem Bericht über die Lage europäischer Schwellenländer werden die Wachstumsaussichten für die Türkei als gering eingeschätzt. Das Haushaltsdefizit werde sich voraussichtlich auf drei Prozent erhöhen, weil Wahlen bevorstehen und eine schwächelnde Kreditvergabe zu beobachten sind.

In ihrem Bericht sagen die Analysten für 2013 ein Wachstum von 3 Prozent und für 2014 von 3,6 Prozent voraus. Die offizielle, sehr vage Wachstumsprognose der türkischen Regierung liegt für dieses Jahr in zwischen drei und vier Prozent. Besonders die nachlassende Kreditvergabe bereitet den Analysten Sorgen. Dafür sind steigende reale Zinsen verantwortlich. Der schwindende Export im zweiten Quartal belegt, dass infolgedessen gerade Unternehmen weniger Kredite aufnehmen, um Investitionen zu tätigen (mehr hier).

Ende Juli reagierte die türkische Zentralbank mit Zinserhöhungen auf den historisch niedrigen Kurs der Lira (mehr hier). Der sich zuspitzende Syrien-Konflikt wird von der Regierung in einer Weise gehandhabt, die bei Märkten und bestimmten politisch- wirtschaftlichen Partnern ernste Bedenken hervorruft (mehr hier). So sagten die Vereinigten Arabischen Emirate ein Energieprojekt mit einem 12-Milliarden-Dollar-Volumen ab, weil die türkische Position zum ägyptischen Militärputsch dort keinen Anklang fand. Die Golfstaaten sind wichtige Kreditgeber der türkischen Wirtschaft.

Die Zahlen sprächen für „signifikante Risiken“, so die Anlaysten. „Seit 2009 finanziert die Türkei ihr Leistungsbilanzdefizit hauptsächlich durch ausländische Kapitalströme, die die Schuldenlast bei ausländischen Kapitalgebern anwachsen lassen“, so der Bericht. Das erhöhe die Abhängigkeit der türkischen Wirtschaft, die derzeit einen Boom im Bausektor und Konsum erlebe. Denn dieser Boom basiere hauptsächlich auf Krediten mit kurzen Laufzeiten, die bei ausländischen Geldgebern aufgenommen werden.

Das Leistungsbilanzdefizit, also der Überschuss von Importen gegenüber Exporten, mache inzwischen fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Trotz des pessimistischen Fazits gebe es auch beruhigende Entwicklungen. Osteuropäische Märkte, zu denen auch die Türkei gezählt wird, hätten seit der Finanzkrise 2008 ihre Märkte geöffnet. Dafür spricht der, auf lange Zeit betrachtet, steigende Export. Auch die Staatsverschuldung osteuropäischer Staaten sei weitaus geringer als die Westeuropas. Die Finanzkrise hat in erster Linie die Staatshaushalte west- und südeuropäischer Staaten zur Verschuldung gedrängt.

Nichtsdestotrotz sei die Türkei eine der Volkswirtschaften, die einen relativ kleinen Anteil ihrer Wirtschaftskraft aus Exporten generiert. Während der durchschnittliche Anteil des Exports am Bruttoinlandsprodukt aller osteuropäischer Länder 50 Prozent beträgt, haben Bosnien und die Türkei nur einen Anteil von unter 30 Prozent vorzuweisen. Daher erwarten die Experten keine strengere Geldpolitik der türkischen Zentralbank. Sie würde die Investitionsbereitschaft der türkischen Exportwirtschaft weiter bremsen.

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