Kreditausfall: 50.000 Immobilienkredite können nicht bezahlt werden

In der Türkei wird gebaut, wie nie zuvor. Die Verflechtung von Banken mit der staatlichen Vermögensverwaltung befreit die Institute von faulen Krediten. Die Konstellation erinnert an die Ausgangslage der USA, Spaniens und anderer Länder vor Ausbruch der Finanzkrise.

 

Der türkische Immobilienmarkt zeigt deutliche Anzeichen einer Schieflage bei Immobilienkrediten. 50.000 Immobilienkredite sollen faul sein, können also von den Kreditnehmern nicht mehr bedient werden.

Auf dem türkischen Immobilienmarkt sind zwölf staatliche Institutionen tätig, die den Namen „Unternehmen zur Vermögensverwaltung“ („Varlik Yönetim Kurulu“) tragen. Ihre Funktion besteht darin, Banken faule Kredite abzukaufen und das ausstehende Geld bei den Schuldnern einzutreiben. Dadurch können die Banken ihre Bilanzen auf legale Weise schönen.

Die türkische Baubranche ist ein starkes Zugpferd der Wirtschaft im In- und Ausland. Privater Immobilienbesitz hingegen wird zumeist auf Pump finanziert, was erhebliche Risiken birgt, so das Immobilien-Magazin Bellevue. Genau an diesem Phänomen – private Immobilienkredite, die nicht zurückgezahlt werden können – entzündete sich Ende 2007 die internationale Finanzkrise. In den letzten fünf Jahren hat sich die Pro-Kopf-Verschuldung der Türken verdoppelt (mehr hier).

Eigentlich beträgt der Anteil fauler Immobilienkredite am Gesamtvolumen aller Immobilienkredite nur spärliche 1,2 Prozent, so die Zentralbank in ihrer wöchentlichen Mitteilung. Wenn man für einen durchschnittlichen Immobilienkredit 100.000 Lira, (ca 50.000 Dollar) veranschlagen würde, wären es lediglich 10.000 Häuser und Wohnungen, deren Finanzierung ausfiele.

„Es sind mindestens 50.000 faule Kredite im Immobiliensektor. Konsum- und Unternehmenskredite treiben die Zahl nach oben. Der entscheidende Faktor ist, dass Immobilien die beste Sicherheit für Banken bieten. Daher werden Konsum- und Unternehmenskredite an Kunden vergeben, die in Immobilien investieren“, sagt ein erfahrener türkischer Bänker der Taraf. Fällt der Kredit aus, bleibt der Bank zumindest die Immobilie.

Die Logik der Banken: Wenn die riskanten Kredite auf verschiedene Kreditarten aufgeteilt werden, fallen die faulen Immobilienkredite nicht so stark auf. Das wäre auch ein schlechtes Signal an den Markt, wenn man bedenkt, dass die Immobilienbranche ein tragender Wachstumsmotor der türkischen Wirtschaft ist. Während nur 1,2 Prozent der Kredite für Immobilien faul sind, sind es bei Konsumkrediten drei Prozent und bei Unternehmenskrediten sogar 3,5 Prozent. Außerdem haben Konsumkredite im Gegensatz zu Immobilienkrediten kein Limit.

Dadurch kommt auch die Zahl von 50.000 Immobilien zustande. Denn nimmt man alle ausfallenden Kredite der drei Kreditarten zusammen, sind es 8,5 Milliarden Lira. Bei 100.000 Lira pro Kredit wären das 50.000 Häuser. Diese Zahl ist noch optimistisch geschätzt. Denn darin sind nicht die faulen Kredite einberechnet, die die Banken elegant an ihrer Bilanz vorbei an den Staat weitergeben können.

Aus diesem Grund fallen die zahlreichen Kreditausfälle nur kurzfristig ins Gewicht der Bilanzen. Auf lange Sicht ist der Anteil fauler Kredite nicht viel höher, als die Aufnahme neuer Kredite. Und das aus dem einfachen Grund, dass die Banken ihre Schrottimmobilien billig an die staatliche Vermögensverwaltung verkaufen können.

Im Zweifelsfall bleibt der Staat auf ausfallenden Krediten und den dazugehörigen Immobilien sitzen. Für die Banken ist die staatliche Vermögensverwaltung Gold wert, denn so können sie Immobilienkredite auch an Kunden mit einer zweifelhaften Kreditwürdigkeit vergeben. Doch irgendwann wird die immer größer werdende Blase bei den zwölf staatlichen Vermögensverwaltungen platzen.

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