Schwimmunterricht im Burkini: Muslime sind mit dem Urteil zufrieden

Mit einem Burkini ist auch muslimischen Schülerinnen die Teilnahme am gemischtgeschlechtlichen Schwimmunterricht möglich. Muslime sind mehrheitlich mit der aktuellen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zufrieden. Probleme treten ohnehin nur in den seltensten Fällen auf.

Der Zentralrat der Muslime hält die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts für eine gute Kompromisslösung. Muslimische Mädchen können mit einem Burkini am Schwimmunterricht teilnehmen. Die Zahl der Muslime, die damit nicht zufrieden sind, ist verschwindend gering.

„Jeder Gläubige muss mit seinem eigenen Gewissen vereinbaren, wie er das handhabt“, sagt Houaida Taraji vom Zentralrat der Muslime. Bekleidungsvorschriften werden nicht von allen Muslimen gleich interpretiert. Ein aktuelles Urteil des Bundesverwaltungsgerichts hat nun entschieden, dass muslimischen Mädchen das Tragen eines Ganzkörperbadeanzugs zuzumuten sei. Eine Befreiung vom Schwimmunterricht sei nicht akzeptabel, so die Leipziger Richter.

Dabei wollte die Klägerin genau das. Denn nicht nur ihre eigene Bekleidung empfand sie als störend, sondern auch, dass sie andere leichtbekleidete Jungen hätte sehen müssen. „Dieses Denken ist aus meiner Sicht falsch. Denn nirgendwo im Koran steht, dass man das andere Geschlecht nicht anschauen darf“, schreibt die Religionslehrerin Lamya Kaddor auf ihrer Facebook-Seite. Zumal die Schülerin sicherlich im Fernsehen oder auf Werbeplakaten ähnliches zu sehen bekommen dürfte.

Tarajis Töchter haben damit kein Problem. „Meine Töchter tragen Ganzkörperbadeanzüge. Auch mein Sohn ist islamisch korrekt angezogen, also keine enge Badehose. Für die Kinder ist das ganz normal, das gehört für uns dazu“, sagt sie der Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen.

Sie betont, dass es sich bei der aktuellen Klage um einen Einzelfall handelt. In der Tat haben nicht viele muslimische Eltern und Schüler Probleme mit dem Schwimmunterricht. Nach einer Studie der Deutschen Islam Konferenz gibt es nur eine verschwindend geringe Anzahl an Schülerinnen, die nicht am Schwimmunterricht teilnehmen wollen. Grund dafür ist allerdings auch, dass in den meisten deutschen Oberschulen getrennter Unterricht angeboten wird.

In der Öffentlichkeit wurde das Thema allerdings schon häufig diskutiert. 1993 gab es ein erster Urteil, das Klarheit schaffen sollte. Damals hatte das Bundesverfassungsgericht eine Befreiung vom gemischtgeschlechtlichen Schwimmunterricht erlaubt. Doch Burkinis dürften zu der Zeit auch noch nicht sehr bekannt gewesen sein.

Mehr zum Thema:

Islamrat: „Debatte um den Schwimmunterricht weder sachlich noch vertrauensbildend“
Dortmunder Burkini-Verbot: Muslimische Badebekleidung unerwünscht
Türkischer Bildungsminister: Kopftuch im Wahl-Religionsunterricht künftig erlaubt

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.