Wirtschaft: Wohlhabende Syrer lassen sich in der Türkei nieder

Die syrischen Flüchtlingen in der Türkei sind nicht nur eine Belastung, sondern auch ein wirtschaftlicher Gewinn. Denn unter ihnen befinden sich auch viele reiche Syrer, die sich eine neue Existenz in der Türkei aufbauen möchten. Die türkischen Großhändler freuen sich über die konsumfreudigen Mitglieder der syrischen Mittel- und Oberschicht.

Der Bürgerkrieg in Syrien wird die Türkei offenbar demographisch und sozial nachhaltig verändern. So sind in den südtürkischen Städten Mersin und Adana auf den Straßen eine Reihe von Luxuswagen mıt syrischen Kennzeichen zu beobachten.

Bei den Inhabern der PKWs handelt es sich um syrische Flüchtlinge, von denen sich viele eine neue Existenz in der Türkei aufbauen möchten. Es sind Angehörige der wohlhabenden syrischen sunnitischen Mittel- und Oberschicht.

Die türkischen Händler und Einkaufsmärkte sind hoch erfreut über die gut betuchten „Gäste“. Denn die erweisen sich als konsumfreudig. Doch einige der Syrer beschweren sich über die überteuerten Wohnungen und Häuser und trauen den türkischen Maklern nicht.

Deshalb hören sie sich auf ihren Einkaufstouren persönlich um. Bis zum Kauf einer neuen Bleibe verweilen sie weitgehend in Hotels.

In den Cafes am Yachthafen von Mersin sind fast ausschließlich reiche Syrer anzutreffen. Denn nur wenige Türken – auch die Reichen – geben zehn Türkische Lira für einen Schnellkaffee aus.

Reich und unpolitisch

Der Großteil der Syrer in Mersin und Adana ist weitgehend unpolitisch. Ziel der Flucht aus Syrien sei die Sicherung des Vermögens und die Furcht um Leib und Leben, sagt Abderazzak I., syrischer Händler aus Mersin, den DTN. Sie seien weder Fans von Assad noch Anhänger der Opposition. Wichtig für sie sei Stabilität im Land.

„Wir planen nach dem Bürgerkrieg, zurück in unsere Heimat zu gehen. Doch je länger der Krieg dauert, desto unwahrscheinlicher wird eine Rückkehr“, so Abderazzak I.

Außerdem sei die Türkei ein guter Standort, um Handel mit anderen Staaten zu treiben. Auch große kulturelle Differenzen gebe es nicht. Das Verhältnis zu den türkischen Bürgern sei sehr gut.

Doch es gibt auch Flüchtlinge der syrischen Unterschicht im Süden der Türkei. Sie werden als Plantagenarbeiter in Adana, Mersin und Gaziantep eingesetzt. Im Gespräch mit den DTN sagte ein türkischer Großgrundbesitzer aus Adana, dass die Flüchtlinge billige Arbeitskräfte sind, die gute Arbeit verrichten.

Sie haben die kurdischen Plantagenarbeiter aus dem Südosten des Landes weitgehend verdrängt, zumal sich viele Kurden schon längst eine Existenz aufgebaut haben. Unter ihnen befinden sich mittlerweile viele Geschäftsleute, die sich Ländereien gekauft haben.

Integration von Flüchtlingen

Die AKP-Regierung versucht die Flüchtlinge möglichst gut über das gesamte Land zu verteilen. Mittlerweile leben sogar am Schwarzen Meer syrische Flüchtlinge und sichern sich ihr Einkommen auf den Tee- und Haselnussfarmen.

Sowohl die reichen als auch die armen syrischen Flüchtlinge werden die Türkei offenbar nie wieder verlassen. Der Zustrom der Menschen birgt zwar soziale Risiken in sich. Doch die Türkei hat historische Erfahrungen mit der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen. Dem Land und der Gesellschaft ist in der Vergangenheit die Integration von Flüchtlingen aus dem Kaukasus, dem Balkan, dem Irak, aus Westchina bisher immer gelungen.

Auch diesmal werde es gelingen. Das jedenfalls ist die Ansicht der türkischen Regierung.

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