Türkei: 15 Millionen Stromkunden werden jeden Monat abgemahnt

Türkische Stromzahler sind nicht besonders zuverlässig. Die Energiepreise stiegen in den letzten Jahren derartig an, dass die Hälfte aller Stromkunden jeden Monat abgemahnt werden muss. Vier Millionen Kunden werden mit Stromentzug zur Zahlung gedrängt.

Knapp die Hälfte aller türkischen Stromkunde muss jeden Monat abgemahnt werden. Von 33 Millionen Kunden zahlen 15 Millionen ihren Strom nicht fristgerecht. Seit der Privatisierung der Stromverteilung ist der Anteil des geklauten oder „verloren gegangenen“ Stroms von 17 auf zwölf Prozent gesunken.

Fast das gesamte türkische Verteilernetz für Strom ist mittlerweile in privater Hand. Nur eines von insgesamt 21 Gebieten ist noch staatlich. Die Zahlen stammen vom privaten Verband der Stromverteiler ELDER.

„Wir müssen den Strom, den wir vom Staat kaufen, innerhalb von 18 Tagen bezahlen. Den Einkaufspreis [des Stromes, derjenigen, die nicht zahlen; Anm. der Red.] wälzen wir auf die zahlenden Kunden und auf die Verteilergesellschaften ab“, zitiert das Portal Patronlardünyasi Yaşar Arslan, Vorstandsmitglied bei ELDER.

Die Hälfte aller Abgemahnten, also 7,5 Millionen Stromkunden, zahlen die Rechnung schließlich nachdem sie das erste Mal abgemahnt wurden. Nach zehn Tagen Zahlungsverzug wird abgemahnt, nach 15 Tagen der Strom ausgeschaltet.

Die restlichen 7,5 Millionen Zahlungspflichtigen teilen sich erneut auf. Vier Millionen zahlen, wenn der Strom abgeschaltet wird und die verbleibenden 3,5 Millionen nur sehr unregelmäßig oder gar nicht.

Privatisierung bremst die „Abzapfer“ aus

Seit der Privatisierung der Stromverteilung ist der Anteil geklauten oder „verloren gegangenen“ Stroms von 17 auf zwölf Prozent gesunken. Wenn bis 2015 eine Angleichung an das EU-Niveaus des „geklauten“ Stroms (9,5 Prozent) bewerkstelligt werden könnte, würden sich Einsparungen von zehn bis 15 Milliarden Dollar realisieren lassen, so ELDER in der  Cumhuriyet.

Energie ist in der Türkei eine teure Ressource, die Nachfrage bleibt allerdings ungebremst. In den kommenden acht Jahren wird der jährliche Zuwachs auf 7,5 Prozent geschätzt, so Germany Trade&Invest. Stromerzeuger und Netze sollen in Zukunft hauptsächlich in private Hände überführt werden (mehr hier).

Das ist nicht nur auf das steigende Wirtschaftswachstum und die damit verbundene industrielle Produktion zurückzuführen. Auch private Verbraucher erleben im Zuge des Wirtschaftsaufschwungs eine Elektrifizierung ihrer Haushalte mit Multimediageräten und elektronischen Haushaltswaren. Zwischen 2008 und 2012 ist Eurostat zufolge der Kilowattstunden-Preis für private Haushalte in der Türkei um ein Drittel angestiegen. Die staatliche Behörde EPDK setzt den Marktpreis für Strom fest.

Das deutsche Preisniveau von 0,144 Euro pro Kilowattstunde hat die Türkei mit 0,108 Euro noch nicht erreicht. Denn deutscher Strom wird mit über 40 Prozent Abgaben, Steuern und Umlagen belastet, türkischer hingegen nur mit gut 20 Prozent.

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