Türkei sperrt Dating-Seite für Homosexuelle

Eine weltweit stark genutzte Chat-Plattform für Homosexuelle wurde in der Türkei gesperrt. Die Sperrung beruht auf einem nicht veröffentlichten Urteil eines Istanbuler Strafgerichts. Eine Online-Petition gegen die Sperrung hat bereits 11.000 Unterschriften gesammelt.

Eine türkische Dating-App und Internetseite für Homo- und Bisexuelle wurde vom türkischen Telekommunikations-Präsidium ohne Begründung gesperrt. Die Seite mit dem Namen „Grindr“ ist zwar noch zugänglich. Doch der Chat, der den Kern der Seite darstellt, kann nicht mehr benutzt und runtergeladen werden. Ein Sprecher der türkischen Schwulen-, Lesben- und Transgenderorganisation KAOS GL bezeichnet den Schritt als „willkürliche Beschränkung der Freiheit“.

Auf Grundlage der Entscheidung eines Istanbuler Strafgerichts hat das Telekommunikations-Präsidium die Seite gesperrt. Die Gerichtsentscheidung wurde nicht veröffentlicht, das Präsidium spricht von einer „Sicherheitsmaßnahme“. Die Rechtsanwältin der Organisation KAOS GL, Hayriye Kara, vermutet, dass das Gericht die „allgemeine Moral“ als Begründung anführt.

Mit diesem Argument werde auch gegen Transsexuelle Prostituierte vorgegangen, so die Webseite von KAOS GL. Eine solche Rechtfertigung von Repressionen gegen abweichende Sexualitäten erinnert stark an die neuen Anti-Schwulen-Gesetze in Russland (mehr hier).

Derweil wurde eine Online-Petition gegen die Sperrung der Website gestartet, die bereits knapp 11.000 Menschen unterschrieben haben. Die Gründer der weltweit erfolgreichen Seite „Grindr“ bedauert die Sperrung, zumal „Grindr“ in der Türkei die meisten Nutzer im gesamten Nahen Osten habe. „Ich rufe Sie dazu auf die Petition, die wir an die türkische Regierung schicken wollen, zu unterstützen. Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass Grindr den türkischen Lebensstil nicht beeinträchtigt“, so der Gründer der Seite Joel Simkhai auf Grindr.

Der stellvertretende Direktor des Kommunkations-Präsidiums, Osman Nihat Sen, weiß auch nichts von de Gründen des Istanbuler Gerichts. Man könne sich an das zuständige Gericht wenden, wenn man Einsicht in die Akten haben wolle. Grundsätzlich gebe es aber keine rechtliche Einschränkung für solche Seiten. Andere Chat-Plattformen für Homo-, Bi- und Transsexuelle seien noch online, so Habertürk.

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