Syrien: Assad und Freie Syrische Armee sehen Islamisten auf dem Vormarsch

Ein Kommandant der FSA sieht ohne den Eingriff der USA keine Lösung. Die Islamisten würden nun Gebiete kontrollieren, die zuvor unter Kontrolle der FSA standen. Präsident Assad geht davon aus, dass bis zu 90 Prozent der Rebellen aus „Al-Qaida-Zellen“ stammen.

Der Kommandant einer Brigade der Freien Syrischen Armee (FSA) aus Aleppo beklagt den Vormarsch islamistischer Rebellengruppen. Einst kämpften die FSA mit der Al-Nusra-Front und der Gruppierung „Islamischer Staat Irak und Levante“ (ISIL) zusammen gegen Assad. Nun verfolgten die Al-Qaida-nahen Islamisten ihre eigene Agenda. Indessen versucht der syrische Präsident Assad weiter die Risiken eines westlichen Militärschlags in die Höhe zu treiben. Er spricht davon, dass 80 bis 90 Prozent der bewaffneten Opposition „islamistische Terroristen“ seien.

Vormals von der FSA beherrschte Gebiete in Nordsyrien befinden sich nun unter Kontrolle der Islamisten. Erst am Donnerstag lieferten sich FSA und islamistische Rebellen einen Kampf um die Stadt Azaz. Nachdem die ISIL die Stadt einnehmen konnten, schloss die Türkei ihren zehn Kilometer entfernten Grenzübergang.  Sogar ISIL und Al-Nusra sollen ebenfalls untereinander konkurrieren, sagt Kommandant Mahmut Haci Hasan in einem Interview mit Radikal.

„Wir bekommen keine militärische, sondern nur humanitäre Hilfe aus der Türkei. Wenn die Türkei ihre Grenzübergänge schließen würde, wären wir sehr froh. Ob es nun Al-Qaida oder andere Kämpfer sind: alle sind über die türkische Grenze nach Syrien gekommen. Die Islamisten haben Geld und Waffen, sie sind sehr stark. Ohne einen Militärschlag der USA wird dieser Krieg nicht zu Ende gehen“, so der Kommandant. Die türkische Regierung hingegen streitet jede Verbindung zu islamistischen Rebellen ab. Außenminister Davutoglu erklärte die islamistischen Rebellen fügten der „Revolution“ einen Schaden zu, so die Zaman.

Dadurch, dass die FSA ihren Krieg hauptsächlich selbst finanziert, sind die Mittel für Munition und Waffen sehr knapp. Die Preise für eine Kalashnikov-Kugel sei in den vergangenen zwei Jahren um 150 Prozent gestiegen. Die schlechte Ausrüstung der FSA treibe viele ihrer Kämpfer in die Arme der gut ausgestatteten Islamisten. Einem Eingreifen der USA und ihrer Verbündeten wurde stets mit der Gefahr, damit islamistische Gruppierungen zu unterstützen, begegnet.

Der syrische Präsident Assad versucht diese Gefahr mit einer wohl zu hoch angesetzten Zahl zu belegen. „Bei uns ist kein Bürgerkrieg im Gange, sondern ein Krieg. Das ist eine neue Kriegsart. 80 bis 90 Prozent der Terroristen aus dem Untergrund sind Al-Qaida und deren Zellen“, zitiert Ria Novosti Assad. Die Angaben, die die unterschiedlichen Rebellengruppen zu ihrer Truppenstärke machen sind mit Vorsicht zu genießen. Jeder möchte sich stärker darstellen als er ist.

Nichtsdestotrotz behauptete der oberste General der FSA im Juni, er sei Anführer einer 80.000 Mann starken Armee. Alle anderen Gruppierungen machen weitaus niedrigere Angaben über ihre Truppenstärke, so der Independent. Assad versucht seit Beginn der bewaffneten Auseinandersetzung die Rebellen als Islamisten, die die Alawiten und Christen ermorden wollen, zu diskreditieren. Während diese Rhetorik 2011 und Anfang 2012 noch als Panikmache zu werten war, trifft sie mittlerweile auf Teile der Rebellen offenbar zu.

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