Deutsch-Türken kehren SPD den Rücken

Die SPD betrachtet die Deutsch-Türken nicht als ihre Kernzielgruppe und hat es im Wahlkampf abgelehnt, um die Deutsch-Türken zu werben. Offenbar spürt die Partei: Die Türken in Deutschland, einst eine sozialdemokratische Bastion, wenden sich von der SPD ab. Seit der Sarrazin-Thesen eigentlich wenig verwunderlich.

Bei den vergangenen Wahlen soll fast jeder zehnte Wähler einen Migrationshintergrund gehabt haben und die Anzahl steigt. Deutsch-türkische Wähler haben in den vergangenen Jahrzehnten mehrheitlich SPD gewählt, sagt der Politologe Orhan Kösemen. Doch die bisherigen Parteibindungen befänden sich in Auflösung.

Migranten und ihr Wahlverhalten

„Lag die Parteibindung der „Gastarbeiter“ zur SPD in den 1980er Jahren noch bei 75 Prozent, betrug sie 2008 nur noch 65 Prozent. Nach der im Herbst 2010 durch das Buch Thilo Sarrazins ausgelösten Debatte dürfte sie weiter gesunken sein (Roßler-Kreuzer 2011)“, zitiert der Mediendienst Integration einen Auszug aus Kösemens Text, „Wenn aus Ausländern Wähler werden“.

Die SPD ihrerseits hat kein Interesse an den Deutsch-Türken, mehr noch: Sie hält die Deutsch-Türken nicht mehr für eine Gruppe, um die es sich lohnt zu kämpfen. Den Deutsch-Türkischen Nachrichten teilte die für die SPD tätige Werbeagentur mit: „Die SPD wird sich online auf die Kernzielgruppen fokussieren und keine Banner auf türkischen Medien schalten.“

Bei den Aussiedlern lasse sich dasselbe Muster beobachten: In den 1990er Jahren lag die Parteibindung zur CDU bei 75 Prozent und seit 2008 ebenfalls auf 65 Prozent gesunken. Auf niedrigem Niveau existiere zwischen den beiden Volksparteien inzwischen ein Wähleraustausch bei Gastarbeitern und Aussiedlern.

SPD und Grüne und ihre Lippenbekenntnisse

Im Kampf um Wählerstimmen werden derzeit Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland mehr denn je angesprochen. Die SPD und die Grünen hätten das Thema Integration über Jahre hinweg für sich vereinnahmt, behauptet Gonca Türkeli-Dehnert, Ministerialbeamtin im Bundeskanzleramt im Arbeitsstab von Maria Böhmer, im Gespräch mit den DTN. Doch es sei weitgehend bei Lippenbekenntnissen geblieben

Das Thema Integration ist von der CDU relativ spät aufgegriffen worden. Doch seit 2005 habe sie große Schritte gemacht und gezeigt, dass sie es ernst meint mit ihrer Integrationspolitik. „Bundeskanzlerin Angela Merkel war die erste Person im Kanzleramt, die 2005 das Amt des Integrationsbeauftragten in das Kanzleramt ansiedelte“, so Türkeli-Dehnert.

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