Eurovision Song Contest 2014: Neues Regelwerk soll politische Abstimmung verhindern

Der Eurovision Song Contest soll künftig transparenter werden. Nachdem das bisherige Voting-System zuletzt für erheblichen Unmut sorgte, gelten für die kommende Ausgabe neue Regeln. Das Ziel: Die Organisatoren wollen einen weiteren Skandal bei der Punktevergabe unbedingt verhindern.

Der diesjährige Eurovision Song Contest wurde von einem waschechten Skandal überschattet. Null Punkte von Aserbaidschan an Russland hatten im Frühjahr sogar den russischen Außenminister Sergej Lawrow auf den Plan gerufen. Jetzt haben die Organisatoren des Wettbewerbs reagiert. Mit einem Plus an Transparenz sollen politische Abstimmungen künftig verhindert werden. Das könnte auch in der Türkei das Feuer für den Wettbewerb neu entfachen. Das Land hatte 2013 genau deshalb nicht teilgenommen.

Wie die Europäische Rundfunkunion (EBU) mitteilt, würden 2014 erstmals die Namen der Jurymitglieder eine Woche vor der Veranstaltung veröffentlicht werden. Auch ihre Entscheidungen sollen sofort bekanntgegeben werden, nachdem der Gewinner benannt wurde. Das berichtet die AFP. Dieser kristallisiert sich aus gut 26 Ländern heraus, die an der Finalrunde des Wettbewerbs teilnehmen. Die Entscheidung über den Sieg obliegt seit kurzem der Jury und dem Publikum zu gleichen Teilen.

Nachbarländer schachern sich Punkte zu

Mit geschätzten 125 Millionen Zuschauern ist der Eurovision Song Contest ein noch größeres TV-Ereignis als der Super Bowl im US-Fernsehen. Völlig einverstanden ist das Publikum mit dem jetzigen System allerdings nicht. Immer wieder wurden Stimmen laut, dass die Abstimmung im Anschluss der Show zu vorhersehbar und nicht selten auch zu politisch gewesen wäre. So war zu beobachten, dass sich Nachbarstaaten die Höchstpunktzahlen zuschoben. Die Qualität der Beiträge wurde jedoch völlig außer Acht gelassen.

Ein solches Vorgehen hatte zuletzt zu einem waschechten diplomatischen Skandal zwischen Aserbaidschan und Russland geführt, nachdem während des ESC-Finales im schwedischen Malmö die russische Kandidatin Dina Garipova („What If“) aus Aserbaidschan tatsächlich null Punkte erhalten hatte. Umgekehrt sollen allerdings zehn Punkte geflossen sein. Der Vorwurf aus Russland folgte auf dem Fuße. Aserbaidschan habe Stimmenraub begangen. (mehr hier).

Von Eurovision Supervisor Jon Ola Sand heißt es hierzu nun: „Grundsätzlich bleiben die Regeln die Gleichen. Dank einer größeren Offenheit kann aber nun der Erfolg des Contests ausgebaut werden.“ Noch immer würden die Vorgänge in Malmö untersucht.

Türkei hält Jury-Stimme für ungerecht

Die 20-jährige Emmelie de Forest setzte sich 2013 mit ihrem Song „Only teardrops“ gegen 25 Konkurrenten durch. Auf Platz 2 landete Aserbaidschan, auf Platz 3 die Ukraine. Die Türkei entschied sich bereits im vergangenen Jahr aus dem ESC-Wettbewerb auszusteigen. Der TRT-Erklärung zufolge lägen die Gründe für diesen Schritt in Veränderungen und den daraus resultierenden Ungerechtigkeiten im Voting-System des Wettbewerbs. Bis zum Jahr 2010 ermittelten die Zuschauer den Gewinner des Contests. Doch mit den 2011 eingeführten Änderungen wurde der Einfluss des Publikums auf die Hälfte zurückgeschraubt. Das Stimmgewicht der Jury lag seither bei 50 Prozent (mehr hier).

Der Wettbewerb 2014 findet am 10. Mai in Kopenhagen statt.

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