Nach Niederlage: „Personalkarussel“ hilft den Grünen nicht

Auf die Niederlage ihrer Partei bei den Bundestagswahlen reagieren die Grünen mit einem Austausch der Parteispitze. Dabei bewirke ein Personalwechsel wenig, stattdessen müssten nun Inhalte neu überdacht werden, sagt der Blogger Eren Güvercin.

Ein zweistelliges Ergebnis, wie geplant, konnten die Grünen bei den Bundestagswahlen  2013 nicht erreichen. Der komplette Grünen-Vorstand stellt seine Ämter zur Verfügung und soll neu gewählt werden.

Doch dabei hätten die Grünen genug Handlungsbedarf auf anderen Ebenen. „Es herrscht immer derselbe Automatismus. Schneidet eine Partei schlecht ab bei den Wahlen, wird das Personalkarussell in Gang gesetzt“, so der Blogger und Journalist Eren Güvercin.

Insbesondere vor der Wahl hatten es die Grünen schwer. Die Pädophilie-Debatte um den Spitzenkandidaten Jürgen Trittin entfachte zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt neu. Der Vorschlag eines Veggie-Days wurde belächelt und spielte anderen Parteien in die Hände. „Leute, die wissen müssen, wann sie Fleisch essen dürfen und wann nicht, die brauchen nicht CDU zu wählen“, sagte Merkel auf verschiedenen Wahlkampf-Veranstaltungen und erntete damit Sympathiepunkte.

Dabei hätten die Grünen schon früher etwas merken können. Beim Inhalte-Ranking der Parteimitglieder, über die im vergangenen Juni abgestimmt wurde, schafften es Themen wie die geplanten Steuererhöhungen oder die Frauenquote nicht einmal in die Top 9.

Güvercin meint, die Einmischung der Grünen in eigentlich private Lebensinhalte sei ebenfalls abschreckend gewesen. Der Veggie-Day oder verschärfte Nichtrauchergesetze seien Beispiele für diese Haltung. Denn „Menschen wollen sich eben nicht gerne vorschreiben lassen, wie sie zu leben haben“, sagt er. Die Grünen hatten den Anspruch „von oben herab zu ‚erziehen’“.

Viele Deutsch-Türken kritisierten vor allem Claudia Roth in den vergangenen Monaten wegen ihres Engagements in der Türkei. Bei den Gezi-Protesten war sie hautnah dabei und kritisierte die Vorgangsweise gegen die Demonstranten vehement (mehr hier). Doch die verlorenen Stimmen haben nicht unbedingt etwas damit zu tun, so Güvercin. „Die Rolle von Claudia Roth bei den Gezi-Protesten hat bei den Wahlen meiner Meinung nach keine Rolle gespielt“, so Güvercin weiter.

Nun ist es an der Zeit, dass die Partei sich wieder über ihren Kern bewusst wird. Für diesen stand eigentlich auch einmal die nun ehemalige Parteispitze.

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