Protest gegen Rock-Verbot: Türkische Schüler marschieren in Damenkleidung auf

Im türkischen Antalya gehen jetzt auch die Schüler auf die Straße, um für ihre persönlichen Freiheiten einzustehen. Weil den Mädchen einer Bildungseinrichtung das Tragen von Röcken untersagt wurde, zogen sich einige jungen Männer diese am Dienstag kurzerhand selbst über.

In der südtürkischen Provinz Antalaya lassen sich die Schüler offenbar nicht alles vorschreiben. Weil den Mädchen eines Gymnasiums das Tragen von Röcken verboten wurde, organisierte eine Gruppe junger Männer kurzerhand einen Protestmarsch. In knappe Röckchen gekleidet zogen sie von Mitschülerinnen begleitet los. Auf Verständnis stieß ihr Unmut allerdings nicht.

Bei der kleinen Protestrunde soll es sich um Mitglieder der so genanten „Dev-Lis“ (zu deutsch: Revolutionäre Oberschüler) gehandelt haben. Die jungen Leute reagierten mit ihrem Marsch auf ein Verbot der Anatolischen Gazi Oberschule in Antalya. Dort dürfen Mädchen als Teil der Schulinform künftig keine Röcke mehr tragen. Mit Bannern ausgestattet zog die Gruppe entlang der Kazım Özalp Straße. Darauf zu lesen: „Nein zum Rock-Verbot“ oder etwa „Ein Rock ist kein Verführer“.

Für die jugendlichen Demonstranten ist klar, warum die Schulleitug ein solches Verbot überhaupt eingeführt hat: „Das Problem ist, dass diejenigen mit reaktionären Ansichten den weiblichen Körper als sexuell anregend betrachten. Wenn Frauen kurze Röcke tragen, dann hätten Männer das Recht, sie anzuschauen und sie zu vergewaltigen. Eine solche Mentalität hat das geltende Verbot von Röcken in unseren Schulen verursacht“, zitiert die Hürriyet einen der jungen Demonstranten.

Schule: Kinder sollen sich wohler fühlen

Von Seiten des Schulleiters Hayri Baş hört sich das jedoch ganz anders an. In diesem Jahr hätte man sich auf graue Hosen und weiße T-Shirts als Schuluniformen verständigt – und zwar für Mädchen und Jungen. Das Ganze sei von der Eltern-Lehrer-Vereinigung genehmigt worden. „Die Entscheidung wurde gemäß eines neuen Status getroffen. Man ist sich einig, dass unsere Kinder Uniformen tragen. Also haben wir beschlossen, dass Schüler und Schülerinnen Hosen zu tragen hätten. So sollen sich die Kinder wohler fühlen.“

Selbst wenn die jungen Leute mit ihrer Vermutung daneben liegen sollten, zeigt sich an ihrem Beispiel jedoch eines: Die türkische Jugend ist nicht länger bereit, gravierende Eingriffe in ihre Entscheidungsfreiheit hinzunehmen. Vorbilder gibt es für sie derzeit jedenfalls genügend: Angefangen bei den Aufschreien zu Erdoğans geplantem Abtreibungsverbot (mehr hier), über den Unmut, der infolge der neuen Alkoholgesetzgebung laut wurde, bis hin zu den Gezi-Park-Protesten (mehr hier).

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