Nach dem Massaker in Kenia: Türkische Mall-Betreiber haben keine Sicherheitsbedenken

Das blutige Geiseldrama in der kenianischen Hauptstadt Nairobi hat auch in der Türkei Befürchtungen aufkommen lassen, dass die hiesigen Einkaufszentren alles andere als sicher seien. Nun versuchen die Management-Abteilungen einiger Häuser diese Ängste zu zerstreuen. Gegen mögliche Attacken will man wohl gerüstet sein.

Der Schrecken von Nairobi hat auch in der Türkei Spuren hinterlassen. Doch Bedenken von Seiten der Bevölkerung teilen einige Verantwortliche in den Managementabteilungen der Einkaufspassagen nicht. Diese seien gegen mögliche Angriffe gesichert, heißt es. In den vergangenen zehn Jahren ist deren Zahl in der Türkei um das Vierfache gestiegen, trotz Unruhen in der Region.

„Die Sicherheitsfirma mit der wir zusammenarbeiten lässt uns Jahr für Jahr einen Bericht zukommen, wie wir mit jeder Art von möglicher Attacke umgehen sollen“, so etwa Pınar Pekperdahcı, Managerin des Arcadium Einkaufszentrums in Ankara. Im Gespräch mit der türkischen Zeitung Zaman unterstreicht sie den immensen Maßnahmenkatalog, mit dem sich ihr Haus um die Gefahrenabwehr bemühe. So gebe es zum Beispiel an allen Eingängen Durchleuchtungssysteme. Daneben würden auf jeder Etage und auch außerhalb des Gebäudes Sicherheitskräfte präsent sein. Darüber hinaus existiere auf jedem Stockwerk ein Notruf.

Ähnliches ist auch aus einem großen Einkaufszentrum in Gaziantep zu hören. Aufgrund der Nähe zur syrischen Grenze herrschten hier ohnehin erhöhte Sicherheitsvorkehrungen, so der Manager, der anonym bleiben wollte. Diese würden selbst dann umgesetzt, wenn einige Kunden dadurch verschreckt würden. „Unsere Maßnahmen sind nicht so strikt wie etwa in einer Bank. Doch wir haben die regionale Dynamik im Blick und fahren unsere Maßnahmen im Vergleich zu anderen Einkaufszentren auf einem hohen Niveau.“

Zahl der Einkaufszentren vervierfacht

Trotz möglicher Gefahren aufgrund von Unruhen in der Region (mehr hier) steigt die Zahl der türkischen Einkaufszentren kontinuierlich an. Wie der türkische Zoll- und Handelsminister Hayati Yazıcı mitteilte, habe sich deren Anzhal in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht. Auf eine parlamentarische Anfrage hin erklärte er kürzlich, dass nach Angaben der Einkaufszentren und Einzelhändler Vereinigung (AMPD) die Zahl dieser Häuser von 81 im Jahr 2003 auf 332 im dritten Quartal 2012 angestiegen sei. „Die fünf Städte mit der höchsten Zahl von Einkaufszentren sind İstanbul mit 114, Ankara mit 37, İzmir mit 20, Antalya mit 16 und Bursa sind mit 12,“, so Yazıcı.

Erst am Dienstagabend erklärte der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta in einer TV-Ansprache, dass die Terroristen im Westgate-Einkaufszentrum in Nairobi besiegt worden seien. Vier Tage bangte die Öffentlichkeit mit den eingeschlossenen Opfern. Die Al-Shabaab-Miliz richtete in dieser Zeit ein Blutbad an. War man bisher von 72 Toten ausgegangen, sollen es nach jüngsten Angaben der Terroristen tatsächlich 137 getötete Geiseln gewesen sein. Auch am Tag nach dem offiziellen Ende der Belagerung sind nach wie vor Schüsse aus dem Einkaufszentrum zu hören, berichtet die Tagesschau.

Unter den Geiseln befand sich auch die türkische Touristin Şebnem Şaylan. Sie konnte sich bereits am Wochenende nach 2,5 Stunden aus dem Einkaufszentrum retten. Mittlerweile ist sie wieder in der Türkei und erholt sich von dem Vorfall. (mehr hier).

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