Eint nun doch das Gas? Türkei und Griechenland wollen Zypern-Verhandlungen wiederaufnehmen

Die Offshore-Erdgasfelder vor Zypern haben in der Vergangenheit schon für ordentlich Zündstoff zwischen der Türkei und Griechisch-Zypern gesorgt. Jetzt könnten ausgerechnet sie für einen neuen Annäherungsversuch der Streithähne sorgen. Denn schon in Kürze sollen neue Friedensverhandlungen aufgenommen werden. Immerhin: Ein geeintes Zypern stünde im Einklang mit türkischen Interessen. Dann kann das Land auch die Einnahmen aus der Gasförderung vor der Südküste zu einem Teil für sich beanspruchen.

Zypern soll ein Land werden. Der seit 1974 von der Türkei besetzte Norden und der griechische Süden möchten im Oktober Friedensverhandlungen wiederaufnehmen. Im Januar 2012 wurden die Verhandlungen gestoppt, nachdem die griechische Seite die kurzzeitige diplomatische Annäherung beendete. Vor dem Hintergrund der Entdeckung von relativ großen Gasfeldern an der Südküste Zyperns, scheint dieser Schritt einer drohenden Eskalation zuvorzukommen.

Sondervertreter der Türkischen Republik Nordzypern (KKTC) und der griechisch-zypriotischen Regierung werden sich gegenseitige Visiten in der Türkei und Griechenland abstatten, um über die Einung der Mittelmeerinsel zu sprechen. Darauf haben sich der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu und der griechische Außenminister Evangelos Venizelos am Rande der UN-Vollversammlung in New York geeinigt. „Die Türkei steht vollkommen und aufrichtig hinter dem Vorhaben, eine gerechte Vereinbarung zu erzielen. Daher erwarten wir von der internationalen Gemeinschaft, dass sie Druck auf die griechischen Zyprioten ausübt, sodass ergebnisorientierte und zeitlich begrenzte Verhandlungen stattfinden können“, sagte auch Staatspräsident Abdullah Gül der ebenfalls in den USA zugegen war, so die Zaman.

Seit Jahrzehnten versucht die UN vergeblich zwischen Türken und Griechen zu vermitteln. Die ungeklärte Zypern-Frage wird von bestimmten Staaten der EU benutzt, um einen Beitritt der Türkei auszuschließen. Oftmals sind die Verhandlungen gescheitert, weil die griechischen Zyprioten den straffen Verhandlungsplan der türkischen Zyprioten ablehnten. Nach einem Treffen des UN-Sonderbeauftragten Alexander Downer (mehr hier) mit dem türkischen Außenminister Davutoğlu Mitte September gibt sich der Außenminister aber optimistisch. Noch im März dieses Jahres waren Beobachter alles andere als zuversichtlich: Dervis Eroğlu, Präsident des De-facto-Regimes der Türkischen Republik Nordzypern, war überzeugt, dass die massiven finanziellen Schwierigkeiten von Griechisch-Zypern die Aussichten für eine Lösung der seit fast 40 Jahren bestehenden Teilung der Insel eher weiter verzögern könnten (mehr hier).

Bemerkenswert ist also der Zeitpunkt, zu dem die Gespräche aufgenommen werden. Vor kurzem wurden relativ große Gasfelder vor der Küste Südzyperns entdeckt. Auf 140 bis 230 Milliarden Kubikmeter Gas werden die Vorkommen geschätzt – zum Vergleich: Russland, als Land mit den größten Reserven, verfügt über 47.5000 (!) Milliarden Kubikmeter Gasvorräte. Die gesicherten Vorräte sind also nicht besonders groß, doch ist noch lange nicht das gesamte Gebiet um die Insel erforscht worden. Zypern will mit der Förderung seinen maroden Haushalt sanieren (mehr hier).

Der griechische Teil Zyperns hat bereits dem amerikanischen Unternehmen Noble Energys Konzessionen erteilt, nach weiteren Feldern zu bohren und auch schon Gas zu fördern, so Ria Novosti. Die Türkei drohte in der Vergangenheit mehrmals damit, ihr eigenes Bohrschiff „Barbaraos Hayrettin Pasa“ in von Nordzypern beanspruchte Gebiete im Süden zu schicken. Außerdem stelle es ein Bruch des Völkerrechts dar, ohne Zustimmung Nordzyperns zu bohren und Konzessionen zu erteilen.

„Die Barbaros Hayrettin Pasa bohrt derzeit vor der türkischen Mittelmeerküste. In drei Wochen werden wir mit Premierminister [Erdogan;Anmerkung der Redaktion] darüber sprechen, ob das Schiff in die exklusive Wirtschaftszone Zyperns eindringen wird. Wenn der Premierminister zustimmt, kann das Bohrschiff den Norden und den Süden befahren, was je eine politische und technische Dimension hätte“, sagt Energieminister Taner Yildiz, so die Hürriyet.

Die Gasfelder liegen in der ausschließlichen Wirtschaftszone Südzyperns, werden aber trotzdem von der Türkei beansprucht. Die Regierung in Ankara hat im März die Zusammenarbeit mit dem italienischen Energieriesen ENI gestoppt, weil diese vor der südlichen Küste Zyperns gebohrt haben. Ein vereintes Zypern stünde im Einklang mit türkischen Interessen, denn in einem vereinten Inselstaat kann die Türkei auch die Einnahmen der Ausbeutung vor der Südküste zu einem Teil für sich beanspruchen. Das verspräche satte Einnahmen für die nächsten Dekaden (mehr hier). Ob sich die griechischen Zyprioten angesichts ihrer leeren Kassen allerdings auf einen solchen Deal einlassen, das scheint fraglich.

Mehr zum Thema:

Zypern-Rettung: 2,5 Milliarden Euro deutsche Steuergelder verschwinden auf Nimmerwiedersehen
Sanierung über Gasvorkommen: Jetzt muss Zypern aktiv werden
Angst auf Zypern: Wird die Insel zur „Kolonie der schlimmsten Art“?

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.