Wegen Terror-Attacken: Mehr als ein Viertel der jungen Briten traut Muslimen nicht

Eine aktuelle Umfrage der BBC hat ergeben, dass ganze 27 Prozent der jungen Briten kein Vertrauen gegenüber ihren muslimischen Mitbürgern haben. Sie glauben, Großbritannien ginge es ohne diese Bevölkerungsgruppe besser. Als ursächlich für diese Einstellung gelten unter anderem die jüngsten Terrorangriffe. Umgekehrt werden könnte die Stimmung jedoch ganz einfach. Die jungen Leute müssten sich schlicht mehr miteinander befassen.

Eine BBC-Umfrage unter 1000 jungen Leuten zwischen 18 und 24 Jahren hat ergeben, dass mehr als ein Viertel von ihnen Muslimen misstrauen. Wären weniger von ihnen im Land, ginge es Großbritannien deutlich besser. Dieser Überzeugung waren jeweils 27 bzw. 28 Prozent der Befragten. Geschürt werde diese islamophobe Atmosphäre von ausländischen Terrorgruppen, Medien und den Muslimen selbst. Der Schlüssel zur Entschärfung könnte jedoch so einfach sein: Er lautet schlicht Kommunikation.

60 Prozent der im Juni dieses Jahres befragten jungen Leute gaben außerdem an, dass die britische Bevölkerung ein negatives Bild von Muslimen habe. 44 Prozent sind der Meinung, dass Muslime nicht die gleichen Werte wie der Rest der Bevölkerung hätten. Auch Hindus oder Sikhs werden kritisch beäugt. 16 Prozent der Umfrageteilnehmer entziehen auch ihnen das Vertrauen. 15 Prozent ergeht es mit Blick auf die jüdischen Mitbürger so. 13 bzw. zwölf Prozent geben an, sie hätten kein Vertrauen zu Buddhisten respektive Christen.

Doch woher rührt diese islamophobe Haltung? Für die Befragten gibt es hier gleich mehrere Verantwortliche. 26 Prozent sehen die Ursache in ausländischen Terrorgruppen. 23 Prozent geben den Medien die Schuld. 21 Prozent berufen sich auf britische Muslime, die in Terrorattacken involviert seien, berichtet die BBC. Nur drei von zehn Muslimen würden zudem ausreichende Maßnahmen ergreifen, um den Extremismus in ihren Gemeinden zu bekämpfen. Positiver ist die Haltung jedoch gegenüber dem Islam. 48 Prozent sind der Ansicht, dass es sich um eine friedliche Religion handelt. Doch auch hier sind 27 Prozent anderer Meinung.

Menschen müssen sich besser kennen lernen

Für Akeela Ahmed von der Anti-Muslim Hatred Working Group liegt der Schlüssel für eine Verbesserung der Stimmung in der Kommunikation. Seiner Ansicht nach müssten sich die jungen Leute stärker untereinander mischen, um Vorurteile wirksam abzubauen. „Diese Ergebnisse zeigen, dass wir dafür sorgen müssen, dass sich die jungen Leute auf lokaler Ebene untereinander austauschen und sie gemeinsam an Projekten arbeiten. So können die Leute Muslime kennen lernen und umgekehrt“, so Ahmed, dessen Gruppierung für eine überparteiliche Regierungsberatung zuständig ist. Auch Kollege Professor Matthew Goodwin überraschen die Ergebnisse nicht. Schließlich würden sich diese mit zahlreichen anderen Umfragen decken, die erkennen ließen: Ein erheblicher Anteil der britischen Bevölkerung hat eine negative Einstellung zum  Islam und in puncto Wachstum der britischen muslimischen Gemeinschaften.

Untermauert werden die jüngsten Umfrageergebnisse außerdem durch aktuelle Zahlen der Polizei. So teilte die Metropolitan Police im August mit, dass die anti-muslimischen Straftaten in London im vergangenen Jahr um 61 Prozent zugenommen hätten. Seit 9/11 wurden gar die Hälfte aller britischen Moscheen attackiert (mehr hier). Angeheizt worden sein dürfte die anti-muslimische Stimmung auch durch den Mord an Lee Rigby. Seit der Ermordung des 25-jährigen Soldaten in Woolwich im vergangenen Monat wollen die muslimischen Gemeinden in der Tat einen Anstieg von Hass-Delikten verzeichnet haben (mehr hier). Das Muslim Council of Britain bezeichnete den Anstieg der Gewalt seit dem Tod des jungen Mannes als „beispiellos“.

Weltweit eher ablehnende Stimmung

In Frankreich scheint die ablehnende Haltung derzeit noch gravierender. Auch hier nehmen anti-muslimische Angriffe seit Jahren zu. Fast die Hälfte der Franzosen betrachtet Muslime mittlerweile als Bedrohung. Das ergab eine Umfrage vom Oktober 2012 (mehr hier). Und in Deutschland? Wie Juden in der Vergangenheit, drohen Muslime, die neuen Opfer der deutschen Gesellschaft zu sein, meint der Historiker Wolfgang Benz (mehr hier). Weltweit sieht die Stimmung ebenso düster aus: Eine knappe Mehrheit von 51 Prozent empfindet den Islam als bedrohlich. Das ergab der „Religionsmonitor 2013“ der Bertelsmann Stiftung, der insgesamt 14.000 Menschen zur gesellschaftlichen Bedeutung von Religion und Werten in Deutschland und zwölf weiteren Staaten befragt hat. Übrigens: Detlef Pollack, Professor für Religionssoziologie und Co-Autor der Bertelsmann Studie, ist sich mit Akeela Ahmed einig. Auch er macht einen mangelnden persönlichen Kontakt von Muslimen und Christen für diese negative Sichtweise verantwortlich.

Hier geht es zu den ausführlichen BBC-Ergebnissen.

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