Alle Hoffnungen zerschlagen: 7. Gesichtstransplantation in der Türkei findet nicht statt

Kurz vor ihrer Durchführung musste die siebte Gesichtstransplantation in der Türkei nun doch abgesagt werden. Die Entscheidung der Ärzte erfolgte aus ganz pragmatischen Gründen: Die Hautfarbe von Spender und Empfänger passten nicht zusammen.

Erst Ende August hatte ein Ärzteteam am Universitätskrankenhaus von Akdeniz die sechste Gesichtstransplantation in der Türkei durchgeführt. Ein siebtes Vorhaben dieser Art scheiterte nun jedoch auf der Zielgeraden. Obschon die Parameter nahezu 100-prozentig passten, kam es am Ende doch nicht zum Eingriff. Denn ein wesentlicher Faktor schied aus: Die Hautfarbe.

Eigentlich sollte der 21-jährige Recep Kaya ein neues Gesicht erhalten. Der junge Mann aus Kırıkkale war auf der Hochzeit seines älteren Bruders durch ein Gewehrgeschoss schwer verletzt worden. Dabei wurde sein Gesichts-Gewebe nahezu vollständig zerstört und das Gesicht erheblich deformiert. Trotz zahlreicher Operationen gelang es den Ärzten bisher nicht, sein Antlitz wieder vollständig herzustellen, berichtet Worldbulletin.

Am vergangenen Dienstag dann der langersehnte Hoffnungsschimmer: Recep erhielt einen Anruf aus dem Universitätskrankenhaus von Akdeniz, am Apparat der dortige Transplantationskoordinator. Dieser teilte ihm mit, dass man einen passenden Spender gefunden habe. Er solle dringend nach Antalya kommen, um sich operieren zu lassen. Doch schon auf dem Weg zum Flughafen wendete sich das Blatt. In einem zweiten Anruf wurde ihm mittgeteilt, dass der Spender aufgrund einer anderen Hautfarbe nicht infrage käme. Offen bleibt jedoch, warum man diesen Umstand in Akdeniz erst so spät bemerkte und die 100-prozentige Übereinstimmung nicht prüfte, bevor der Patient informiert wurde.

Denn: Der Faktor Hautfarbe ist bei dieser Art von Transplantation neben Blutgruppe,  Gewebekompatibilität, Geschlecht, Ethnie und Größe des Gesichts von entscheidender Bedeutung. Im Fall von Recep war der Spender ein 24-jähriger Brite, allerdings mit dunkler Hautfarbe. Bei ihm wurde nach sechs Tagen Behandlung auf der Intentsivstation im İzmir Medical Park Hospital der Hirntod festgestellt.  Der Verstorbene hatte zuvor Ferien in Bodrum gemacht. Aufgrund starker Kopfschmerzen hatte er sich ins Krankenhaus begeben. Mehrere Hirnblutungen wurden ihm schließlich zum Verhängnis.

Die Türkei hat sich in jüngster Zeit einen nicht unerheblichen Ruf in Sachen Gesichtstransplantationen erarbeitet. Es kommen bereits Ärzte aus dem Ausland, um den riskanten OPs beizuwohnen und von den türkischen Kollegen zu lernen. Doch nicht jede rekordverdächtige Transplantation war erfolgreich. Während der erste türkische Patient, dem ein Gesicht transplantiert wurde, mittlerweile wieder arbeiten kann (mehr hier), gab es auch Transplantationsfälle, die für große Kritik sorgten. Die dreifache und vierfache Gliedmaßentransplantation an Sevket Cavdar und Atilla Kavdir etwa endete mit dem tragischen Tod der Patienten (mehr hier).

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