Die Türkei hat keine Partner mehr im Nahen Osten

Der britische Journalist Daniel Dombey hält nicht viel von türkischen Ambitionen im Nahen Osten. Denn die Türkei habe sowohl schlechte Beziehungen zur EU als auch zu den arabischen Staaten. Eine Führungsrolle werde immer unwahrscheinlicher.

Die EU ist mit sich selbst beschäftigt und hat mit ihren wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Die Arabische Welt ist in Aufruhr. Im Rahmen dieser Entwicklung ist die Türkei offenbar in „Vergessenheit“ geraten. Denn weder mit der EU noch mit der Arabischen Welt seien ihre Beziehungen gut.

Das jedenfalls schreibt der FT-Journalist Daniel Dombey in einem Artikel. In diesem Zusammenhang gehöre die Türkei weder nach Europa noch in die islamische Welt. Dabei war die Türkei zu Beginn des Arabischen Frühlings 2011 ein Hoffnungsträger der Region. Damals habe Ankara seine wirtschaftlichen Beziehungen mit den arabischen Ländern ausgeweitet und davon profitiert. Doch der türkische Export in den Kaukasus und die arabischen Staaten sei im Verlauf des aktuellen Jahres um 13 Prozent zurückgegangen.

Zudem wurde zwischen der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ein Projekt im Wert von zwölf Milliarden US-Dollar aufgekündigt. Die VAE wollte in ein neues türkisches Kohlekraftwerk investieren. Die Verhandlungen platzten offenbar aufgrund der Haltung Ankaras im Zuge des Mursi-Sturzes in Ägypten (mehr hier). Das Projekt sollte die türkische Energieabhängigkeit vom Ausland reduzieren.

Für den türkischen Ministerpräsident Recp Tayyip Erdoğan habe sich der Nahe Osten zu einer Problemregion entwickelt. Mit Syrien, dem Iran und dem Irak sei die Türkei nun verfeindet. Auch der Libanon sei für türkische Bürger ein No-go-Area geworden (mehr hier).

Mit der aktuellen Regierung in Ägypten sei die Türkei ebenfalls im Streit. Die Parteinahme für die Muslimbrüder könnte den türkischen Exporten nach Ägypten nachhaltig schaden. Saudi Arabien und Katar haben Position gegen die Muslimbrüder bezogen und damit gezeigt, dass sie nicht auf der Seite der Türken stehen.

Es sei kein Zufall, dass Erdoğan nicht zum UN-Treffen nach New York gereist sei. Denn er habe es sich nicht nur mit den Arabern oder den Europäern verscherzt, sondern auch mit den USA, schreibt Dombey.

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