Familienpolitik à la Erdoğan: Jetzt sollen es vier Kinder sein

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan hat Wochenende erneut das Thema Familienplanung hervorgekramt. Bisher schlug er türkischen Frauen vor, möglichst drei Kinder zu bekommen. Jetzt sollen es am besten vier sein. Eine Begründung für seine neue Rechnung lieferte er den Anwesenden allerdings nicht.

Bei einem Auftrittam vergangenen Wochenende hat der türkische Premier ein Gruppe anwesender Frauen aufgefordert, künftig vier Kinder zu bekommen. Bisher setzte sich Erdoğan vehement für eine Drei-Kind-Familie ein. Nur ein oder zwei Kinder würden den „Bankrott“ der Türkei bedeuten.

Am Sonntag wohnte der türkische Premier im Distrikt Sarayköy der Eröffnung der Geothermieanlage von Kızıldere bei. Nach seiner Rede sei er auf eine Gruppe von Frauen getroffen. Diesen habe er erklärt: „Drei Kinder sind nicht genug. Habt vier.“ Warum, das erklärte er den Damen dann allerdings nicht, so die türkische Zeitung Zaman.

Sätze wie diese werden von seinen Kritikern als nicht angemessene Einmischung in die Privatsphäre der Bevölkerung verstanden. Doch der Premier kann den Unmut über seine Aussagen so gar nicht verstehen: „Sie sagen, ich mische mich in ihr Leben ein, wenn ich Frauen dazu aufrufe, mindestens drei Kinder zu bekommen. Doch wir haben das nicht zu einer rechtlichen Verpflichtung gemacht. Es ist nur ein Vorschlag“, zitiert die Zaman den Premier vor gut zwei Monaten. Er selbst empfehle jedoch drei Kinder zu haben. Das sei sein natürliches Recht. Getoppt wurden die Forderungen des Premiers übrigens von der Präsidentin der türkischen Sozialversicherungsanstalt, Yadigar Gökalp İlhan. Nur fünf Kinder könnten ihrer Ansicht nach die türkischen Sozialkassen in Zukunft retten (mehr hier).

Negativbeispiel Deutschland

Nur ein oder zwei Kinder pro Familie, das würde nach Ansicht des Premiers den „Bankrott“ bedeuten. Erst ab drei Kindern würde langfristig auch für den Staat ein Break Even erreicht werden (mehr hier). Erdoğan verwies in der Vergangenheit immer wieder auf die Schwierigkeiten des Westens, die ohnehin niedrigen Geburtenraten zu halten. in der Türkei solle das anders laufen. Hier müssten mindestens drei Kinder pro Familie geboren werden, um die dort herrschenden Probleme erst gar nicht aufkommen zu lassen, so seine bisherige Argumentation.

Paradebeispiel, wie es in der Türkei nicht laufen sollte, dürfte für den türkischen Premier unter anderem die Bundesrepublik sein. Hier brachte eine Frau 2011 im Schnitt gerade einmal 1,36 Kinder zur Welt. Im Jahr zuvor waren es noch 1,39 Kinder. Demgegenüber gaben die Eltern durchschnittlich sage und schreibe 120.000 Euro bis zur Volljährigkeit des Nachwuchses aus. Zudem würden die Frauen immer älter. Ein Ende der Abwärtsspirale scheint jedoch noch nicht erreicht. Denn: „Voraussichtlich wird die endgültige Kinderzahl je Frau in den nächsten Jahren weiter abnehmen“, heißt es hierzu bei Destatis.

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