Anreiz für türkische Frauen im Job: Bald 18 Wochen Mutterschaftsurlaub?

Der türkische Minister für Arbeit und Soziales, Faruk Çelik, will berufstätigen Frauen in der Türkei das Kinderkriegen schmackhafter machen. Er plant, den Mutterschaftsurlaub nach der Geburt von bisher 16 auf 18 Wochen zu erhöhen.Derzeit empfinden offenbar viele türkische Frauen ein Kind als Karrierehemmnis. In Familien mit berufstätigen Frauen gibt es durchschnittlich nur ein Kind.

Am Montag hat der türkische Minister für Arbeit und Soziales Faruk Çelik in Bursa die Bestrebungen seines Ministeriums erläutert, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für türkische Frauen attraktiver zu gestalten. Unter anderem ist offenbar eine Verlängerung des Mutterschaftsurlaubes von 16 auf 18 Wochen geplant. Auch der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan wird nicht müde, die Notwendigkeit von großen Familien für das Land zu betonen.

Çelik verwies vor den anwesenden Journalisten auf eine nach wie ablehnende Haltung innerhalb der türkischen Gesellschaft zum Thema berufstätige Frauen. Diese sieht er traditionell begründet als auch bildungsabhängig. Doch genau diese Faktoren seien es, die eine entsprechende Politik, die Frauen zum Beruf ermutige, erschwere, so die türkische Zeitung Zaman.

Regierungsziel: Mehr türkische Frauen im Job

„Um das Problem zu lösen, haben wir zugunsten der Frauen eine Reihe von Anreizen geschaffen. Jetzt versuchen wir neue Regelungenund Anreize zu implementieren, um die Beschäftigung innerhalb der jungen Bevölkerung zu erhöhen und gleichzeitig einen Rückgang der Beschäftigung von Frauen zu verhindern“, so der Minister.

Von Seiten der Regierung gebe es zum Beispiel Überlegungen finanzielle Anreize für Frauen einzuführen. Angedacht seien etwa größere Vorteile für verheiratete berufstätige Frauen oder Zuschüsse für einen Teil ihrer Aufwendungen für den Kindergarten. Auch der Mutterschaftsurlaub sei Teil dieser Bemühungen , um Frauen so stärker ins Berufsleben einzubinden, nachdem sie entbunden hätten.

Berufstätige Mütter meist nur mit einem Kind

Bereits in diesem Oktober sollen die Vorschläge dem Parlament vorgetragen werden. Noch in dieser Legislaturperiode könnten sie verabschiedet werden, so der Minister weiter. Warum sich die türkische Regierung derzeit ausgerechnet für berufstätige Mütter stark macht, liegt auf der Hand. Türkische Frauen im Beruf bekommen derzeit ausgesprochen selten Kinder. Die durchschnittliche Zahl der Kinder pro Familie in der Türkei liegt derzeit bei 2,6. In Familien, in denen die Frau arbeitet, gibt es meist jedoch nur ein einziges. Nun soll den Frauen also die Sorge genommen werden, dass ein Kind ihre Karriere beeinträchtigen könnte. Die Hoffnungen sind jedenfalls groß, dass durch diese neuen Regelungen mittelfristig der Anteil der beschäftigten Frauen von 32 auf 38 Prozent steigen wird.

Erst am vergangenen Wochenende hatte der Premier das Thema Familienplanung erneut hervorgekramt. Bisher schlug er türkischen Frauen vor, möglichst drei Kinder zu bekommen. Jetzt sollen es am besten vier sein. Eine Begründung für seine neue Rechnung lieferte er den Anwesenden allerdings nicht (mehr hier).

Zwei Kinder wären der türkische „Bankrott“

Nur ein oder zwei Kinder pro Familie, das würde nach Ansicht des Premiers den „Bankrott“ bedeuten. Erst ab drei Kindern würde langfristig auch für den Staat ein Break Even erreicht werden (mehr hier). Erdoğan verwies in der Vergangenheit immer wieder auf die Schwierigkeiten des Westens, die ohnehin niedrigen Geburtenraten zu halten. in der Türkei solle das anders laufen. Hier müssten mindestens drei Kinder pro Familie geboren werden, um die dort herrschenden Probleme erst gar nicht aufkommen zu lassen, so seine bisherige Argumentation.

Paradebeispiel, wie es in der Türkei nicht laufen sollte, dürfte für den türkischen Premier unter anderem die Bundesrepublik sein. Hier brachte eine Frau 2011 im Schnitt gerade einmal 1,36 Kinder zur Welt. Im Jahr zuvor waren es noch 1,39 Kinder. Demgegenüber gaben die Eltern durchschnittlich sage und schreibe 120.000 Euro bis zur Volljährigkeit des Nachwuchses aus. Zudem würden die Frauen immer älter. Ein Ende der Abwärtsspirale scheint jedoch noch nicht erreicht. Denn: „Voraussichtlich wird die endgültige Kinderzahl je Frau in den nächsten Jahren weiter abnehmen“, heißt es hierzu bei Destatis.

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