Griechenla​nd will türkischer Minderheit keine Rechte zugestehen

In Griechenland haben die Türken immer noch keinen Minderheitenstatus. Athen ist der Ansicht, dass es keine Türken, Albaner oder Makedonen im Land gibt, sondern nur „griechische Muslime“.

Athen tut sich immer noch schwer mit der Anerkennung seiner religiösen und ethnischen Minderheiten. So hat das Land bisher die Rahmenkonventionen des Europarates zum Schutz von nationalen Minderheiten nicht ratifiziert. Zu den nationalen Minderheiten gehören Makedonen, Albaner, Pomaken, Türken, Aromunen und Roma.

Darüber ist insbesondere die Türkei wütend. Der türkische EU-Minister Egemen Bağış sagte am Mittwoch in Brüssel, dass Athen „wortbrüchig“ geworden sei, berichtet die Nachrichtenagentur IHA.

„Simitis, Karamanlis, Papandreou und Samaras haben uns alle Reformen in dieser Frage versprochen. Doch die Versprechen wurden nicht eingehalten. Der türkische Ministerpräsident erwartet Fortschritte. Wir hingegen haben den religiösen Minderheiten ihre enteigneten Besitztümer zurückgegeben. Das war ein wohlwollender Schritt. Auch in der Moscheebau-Frage in Athen hat die griechische Regierung ihr Wort nicht gehalten. In Athen gibt es immer noch kein muslimischer Grab.“

Die Anzahl der in Griechenland lebenden „Westthrakien-Türken“ beträgt etwa 120.000. Doch aufgrund von Zwangsemigrationen sind viele von ihnen ausgewandert. Namen von Organisationen dürfen nicht das Wort „Türkisch“ beinhalten. Die griechische Regierung ist der Ansicht, dass es lediglich „griechische Muslime“ im Land gibt, schreibt das US-Außenministerium im Menschenrechtsbericht 2012.

Die Forderung nach Reformen seitens der türkischen Minderheit endete in der Vergangenheit mit Pogromen. So wurde 1990 ein Prozess gegen den türkisch-griechischen Politiker, Sadık Ahmet, geführt. Ihm wurde vorgeworfen durch die öffentliche Nutzung des Worts „Türke“, Abspaltungen unter der Bevölkerung provoziert zu haben.

Internationale Prozessbeobachter wohnten dem Gerichtsverfahren bei. Richter und Staatsanwälte beschimpften ihn mit der Aufforderung, dass er in die Türkei gehen solle. Ahmet wurde zu 18 Monaten Haft verurteilt. Doch die Strafe wurde später in eine Geldstrafe umgewandelt.

Nach Prozessende kam es in der Stadt Komotini zu Übergriffen gegen Mitglieder der türkischen Minderheit. Die Polizei schaute tatenlos zu, berichtet Human Rights Watch.

Doch sowohl die Menschen in der Türkei als auch die Bürger Griechenlands sind nicht mehr interessiert an einer türkisch-griechischen Auseinandersetzung. Es gibt zahlreiche gemeinsame Initiativen, die versuchen Brücken zwischen den Menschen zu schlagen. Betont werden dabei die kulturellen Gemeinsamkeiten zwischen Griechen und Türken.

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